Anreise

Bus in La Paz

In Zürich schauen sie zweimal auf die Waage, als ich den 26Kg schweren Rucksack einchecke und bei der Zwischenlandung in Miami sehen mich alle an, als ob ich irgend ein Freak wäre als ich dort mit den schweren Bergschuhen umhergehe. Aber ich komme gut in La Paz an, inklusive allem Gepäck, unter anderem 1 Kg Käse und viel Trockenfleisch... .

 

Karin & Gregi sind schon 3 Tage früher angereist und wir treffen uns in der Stadt. Wir packen bergeweise Essen ein für die ersten 9 Tage im Gebiet des Condoriri. Bevor es aber dahin geht, akklimatisieren wir uns noch etwas in der Stadt und fahren nach Chacaltaya.

Condoriri Gruppe

unser Material auf dem Weg zum Condoriri Basislager

Mit einem Taxi fahren wir bis Tuni, dem letzten Dorf. Unser Essen transportieren wir mit einem Esel ins 3 Stunden entfernte Basislager. Sieht allerdings etwas kurios aus: Der Esel mit der kleinen Last und wir mit unseren grossen Säcken. Schon der Weg ins Basislager ist sehr schön, mit tollen Blicken auf den Condoriri, der aussieht, wie ein Condor mit ausgebreiteten Flügeln. Beim Lager an der Laguna Chiar Khota angekommen stellen wir die Zelte auf und richten uns ein für die nächsten Tage (sprich wir bauen uns mit Steinen ein regelrechtes Wohnzimmer).

Piramide Blanca 5230m, Südwestwand

Die Verhältnisse an der Piramide Blanca: Fast zu schön um Wahr zu sein!

Eigentlich wollten wir am ersten Tag auf den Pico Austria. Aber der Anblick des langen Geröllfeldes da hoch motiviert uns nicht gerade. Also zur Piramide Blanca. Die ist zwar wegen Gletscherschwund auch nur noch teilweise gletscherbedeckt. Die Routen in der Südwestwand welche wir machen wollen, haben sich desswegen auch recht stark verändert.

Als wir davor stehen schlucke ich schon zuerst mal leer. Sieht verdammt steil aus! Aber wir probieren es mal. Die Bedingungen sind genial, der Firn ist griffig und man kann im Eis und Firn gut sichern. Es ist tatsächlich recht steil (über 65°) aber es macht einfach unglaublich Spass hier hoch zu klettern. Gregi grinst über beide Ohren, als er bereits zum ersten mal einen Firnanker setzen kann. Nachdem der schwierige Teil gemeistert ist, geht es noch über einen tollen Firngrat zum Gipfel. Hier geniessen wir schon mal die Aussicht auf die anderen Gipfel, die wir noch vorhaben. Runter geht es über den grossen Gletscher. Wow, was für ein Auftakt...

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Pequeño Alpamayo 5375m, Südwestgrat

Pequeño Alpamayo, 5375m

Der Pequeño Alpamayo erinnert ein wenig an den Alpamayo in Peru, von dem er den Namen bekommen hat. Doch bevor wir ihn überhaupt zu sehen bekommen, geht es über einen langen Gletscher bis zum Vorgipfel, dem Tarija.

 

Hier beginnt nun aber der wunderschöne Südwestgrat. Im guten Firn steigen wir den Grat hoch zum Gipfel. Gregi geht es schon den ganzen Tag nicht gut. Trotzdem hat er sich hier hoch gequält. Entgegen den hier üblichen Gewohnheiten gehen wir nicht jeweils Nachts um 2 los, sondern warten jeweils bis es hell wird. Bis jetzt haben wir damit Glück gehabt. es war noch nie sehr windig auf den Gipfeln.

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Cabeza del Condor 5648m

Der lange Gipfelgrat am Cabeza del Condor

Das Hauptziel hier ist natürlich der ¨Cabezza del Condor¨, der Kopf des Kondors. Ein eindrücklicher steiler Felsaufbau, den wir nun nach guter Akklimatisation in Angriff nehmen wollen.

Wir wollen auf 5200m ein Hochlager machen um ev. dort oben noch andere Touren anzugehen und um uns an die Höhe der Hochlager zu gewöhnen. Besonders der letzte Teil des Aufstieges zum Hochlager ist furchtbar mühsam. Es geht über ein langes Geröllfeld hoch, wo irgendwie alles in Bewegung ist während wir hochstolpern. Die Lage des Hochlagers entschädigt dann aber für alles. Auf einer Felsplatte geniessen wir wie auf einem Balkon die Aussicht auf den Gletscher und die Gipfel.

Bei Vollmondlicht geht es am nächsten Morgen um 5 über den Gletscher los. Unter uns sehen wir die flackernden Lichter von el Alto. Eine eindrückliche Stimmung. Genau als wir in den Schatten des Mondlichtes kommen, geht die Sonne auf - perfektes Timing! Nun geht es durch ein steiler werdendes Couloir zum Grat hoch. Von hier folgen wir dann dem sehr ausgesetzten langen Grat zum Gipfel. Es ist schlicht der Hammer, eine der schönsten Grattouren die ich je gemacht habe. Auf dem Rückweg steigen wir noch über die nicht sehr steile Flanke direkt auf ¨Ala Derecha¨, den rechten Flügel bevor wir zurück ins Hochlager gehen wo wir uns wieder erholen.

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Ala Izquierda 5540m, Westgrat

Abstieg vom Ala Izquierda

Fehlt eigentlich nur noch der linke Flügel... Den wollen wir am letzten Tag noch besteigen. Durch tiefen Schnee bahnen wir uns einen Weg zum Fuss des Westgrates. Hier soll es hoch gehen. Sieht steil und recht schwierig aus. Wir steigen 1/3 der Wand hoch. Es macht riesig Spass aber für die ganze Wand brauchen wir zu lange, also beschliessen wir zu kehren. Zwar kein Gipfel heute, die Tour war aber genial und bleibt eindrücklich in Erinnerung.

 

Auf dem Weg nach Unten suchen wir uns diesmal einen direkten Weg durch den Gletscher-Abbruch. Es geht um gigantische Spalten und wir finden tatsächlich einen Durchgang.

Illimani, Pico Sur 6438m

Illimani Hochlager Nido de Condores

Der Illimani ist quasi der Hausberg von La Paz. Von überall her kann man ihn gut sehen und man hat das Gefühl, dass er gleich neben der Stadt liege. Nach der 4 stündigen Anfahrt über übelste Pisten denkt das aber keiner mehr von uns. Wir befinden uns in einer völlig anderen Landschaft. Hier hat es vor allem tiefe, steile Täler die recht fruchtbar sind und überall kleine Dörfer mit viel Landwirtschaft. Es ist wunderschön.

Von Pinaia, dem letzten Dorf geht es noch am selben Tag um viele Felder und zuletzt über Alpwiesen bis zum Basislager, eindrücklich am Fusse dieses riesigen Berges gelegen.

Am nächsten Tag steigen wir über viel Geröll und Sand rauf zum Hochlager ¨Nido de Conders¨ dem Nest des Kondors. Dieses liegt genial gelegen inmitten einer imposanten Gletscherlandschaft. Da wir keine Träger nehmen und alles selber tragen ist es ein ganz schöner Kraftakt. Nachts sehen wir genau runter auf die unzähligen Lichter von La Paz - einmalig! Komischerweise sind wir ganz alleine und wir haben den ganzen Berg für uns alleine - uns ist es recht.

Am nächsten Morgen früh um 4 steigen wir los über den lange gezogenen Gletscher bis hinauf zum Pico Sur auf 6438m. Unglaublich diese Aussicht und vor allem auch der Tiefblick! Es folgt noch ein langer Abstieg und die Zurückfahrt, ehe wir wieder in La Paz wieder neue Kräfte tanken können, während wir zurück schauen auf diesen fantastischen Berg und unsere Route studieren...

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Sajama 6559m, Südostgrat

Nevado Sajama, 6559m

So langsam sind wir reif (sprich akklimatisiert) für den höchsten Berg Boliviens, den Sajama. Der Sajama ist anders als die bisherigen Berge ein Vulkan und erhebt sich von weit her sichtbar über das Altiplano beim Grenzübergang nach Chile. Die Anfahrt ist zwar recht weit, dafür ist es die beste Strasse ganz Boliviens. Es ist landschaftlich wieder eine völlig andere Gegend - wüstenartig mit Vulkanen und kleinen Lagunen.

Nach der Anfahrt steigen wir vom Dorf Sajama noch die 2 Std zum Basislager am Fusse des Berges hoch. Was für ein imposanter, wuchtiger Klotz aus Fels und Eis! Wie bei einem Vulkan üblich, dominiert unten vor allem Sand und Geröll. Dementsprechend ist auch der Aufstieg ins Hochlager auf 5680m am nächsten Tag. Von hier bietet sich uns bereits eine gigantische Aussicht über das Altiplano. Sajama 6559m

Um 4 Uhr geht es los. Der Mond ist inzwischen deutlich kleiner geworden und bietet nur noch wenig Licht. Zu Beginn geht es durch einige grosse Büsser-Eis Felder. Eine Südamerika-Spezialität, die durch die spezielle Sonneneinstrahlung hier entsteht. Nach einem kurzen Couloir und einem Felsgrat stehen wir am Beginn des langen Gletscheraufschwungen. Bergsteigen in dieser Höhe ist nicht immer nur Spass, oft ist es auch ein eigentlicher ¨Chrampf¨. Im Zeitlupentempo stapfen wir im zick zack den Hang hoch. Es ist furchtbar kalt und wir frieren alle an den Händen und Füssen trotz guten Ausrüstung. Irgendwann dann aber sind wir oben auf dem grossen Gipfelplateau. Eine eigenartige Stimmung hier. Es erinnert durch die Kälte und die Schneeformationen an die Arktis und gleichzeitig sehen wir runter auf das wüstenartige Altiplano.

 

Als wir am nächsten Tag unten im Basislager erwachen zieht eine endlose Karawane von Leuten an uns vorbei hoch zum Fusse des Berges. Was ist denn da los? Schon Gestern haben wir bemerkt, dass viel Militär in der Gegend ist. Wir finden raus, dass heute der Präsident höchstpersönlich hierher kommt (mit dem Superpuma) und ein Fussballspiel statt findet auf über 5000m! Wieso? Aus Demonstration für den FIFA-Sepp der internationale Fussballspiele nur bis auf max. 2500m zulässt! Cool die Bolivianer... Nach dem Abstieg gehen wir noch zu den heissen Quellen hier in der Nähe und lassen uns dort ordentlich durchgaren mit einem Blick zurück auf den Berg.

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Illampu 6368m, Südwestgrat

Im ersten Teil der Reise haben wir ja einige technisch etwas anspruchsvollere Touren, dafür auf noch nicht so hohe Gipfel gemacht. Im zweiten Teil waren es dann vor allem hohe Gipfel, die aber technisch nicht sehr schwierig waren. Nunn wollen wir das Ganze noch kombinieren und einen technisch etwas schwierigeren, hohen Gipfel versuchen. Den Illampu haben wir uns vorgenommen, den schwierigsten (Normalroute) 6000er Boliviens...

Dass dieser Berg in eine andere Kategorie gehört, merken wir wir schon bald. Alles ist hier etwas grösser, länger, schwieriger, höher. Die Anreise ist schon abenteuerlich. Zuerst geht es am Titicacasee vorbei nach Sorata. Dort chartern wir einen LandCruiser und fahren über einen tollen Pass nach Acoma, ein kleines verschlafenes Nest. Hier wollen wir einen Esel für den Marsch ins Basislager engagieren. Als man uns sagt ¨no hay mulas!¨ sehen wir schon etwas alt aus. Gerade hierher haben wir relativ viel mitgenommen. Es hilft nichts, das für den Esel geplante muss auf unsere Rucksäcke aufgeteilt werden. Meine Güte, ist das schwer! Ob wir so hoch kommen?

 

Gleich zu Beginn sehen wir hoch zu einem Nebengipfel, dem Pico Norte. Ich habe schon ein wenig Ehrfurcht, als ich da hoch sehe...

Der Weg führt wunderschön einem Bach entlang über Alpwiesen. Doch der Pfad ist oft unklar und immer wieder verlieren wir ihn. So schlagen wir uns einige Male durch dichte Büsche und sind froh, als das Gelände offener wird. Kurz vor der Dunkelheit erreichen wir das Basislager.

Auf dem langen Grat zum Gipfel

Am zweiten Tag geht es über felsige Hänge entlang der Gletschers empor, immer mit tollen Blicken auf den Gipfel. Doch wir merken, dass wir wegen der schweren Rucksäcke langsamer sind. Da wir genügend Zeit haben, teilen wir den Weg ins Hochlager auf 2 Tage auf und zelten noch einmal unterhalb des Gletschers.

 

Am nächsten Tag geht es über den stark zerrissenen Gletscher auf ein Gletscherplateaux auf 5600m. Hier ist das Hochlager. Unmittelbar vor uns liegt denn auch bereits schon die erste Hauptschwierigkeit auf dem Weg nach Oben: eine 60° steile Firnflanke, 300m hoch mit einem grossen Bergschrund unten. Sieht beeindruckend aus (wie auch der restliche Grat hoch zum Gipfel) aber die Bedingungen scheinen sehr gut.

Morgens um 3 geht es los. Es braucht schon einige überwindung, um diese Zeit den warmen Schlafsack zu verlassen und in die Kälte raus zu gehen.

Es geht gleich richtig los. Es ist stockdunkel während wir uns die steile Flanke hinaufarbeiten. Der Firn ist perfekt: hart und griffig. 7 x 60m Seillängen klettern wir hoch, während Gregi jeweils mit Firnankern sichert. Eigentlich bin ich froh, dass es so dunkel ist und ich weder rauf noch runter sehen kann und mich immer nur auf die 2 Meter vor mir konzentrieren kann.

Illampú Gipfel

Am Ende des Hanges erreichen wir einen schmalen, exponierten Grat, dem wir nun folgen. Dieser wird bald breiter. Es scheint schon lange niemand mehr hier oben gewesen zu sein und so spuren wir uns durch den teilweise tiefen Schnee einen Weg Richtung Gipfel. Dieser sieht ständig so nahe aus, aber auf dieser Höhe kommen wir nur noch sehr langsam voran. Nach 6 1/2 Stunden erreichen wir nach einem letzten Steilhang den Gipfel. Mit einem Mal ist die Sonne da und mit ihr die Kälte des Aufstieges vergessen. Wir gratulieren uns und freuen uns alle riesig.

 

Die Aussicht ist gigantisch: Rechts das flache Altiplano, dann die Bergkette - die Cordillera Real und Links davon das Tiefland - die Yungas. Hinter uns der Titicacasee. Vorsichtig steigen wir wieder runter. Als wir die Zelte erreichen sind wir glücklich, aber ausgepumpt, nach fast 12 Std auf den Beinen.

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In den nächsten Tagen gehen wir gemütlich wieder den Weg zurück runter ins Tal. Ich werde in 2 Tagen wieder nach Hause fliegen. Gregi & Karin haben noch 2 Wochen Zeit. Wie hat Gregi gesagt:¨Jetzt beginnen unsere Ferien!¨