Gestern sind wir (Maya und ich) in Kathmandu gelandet. Wir wollen in den nächsten 4 Wochen trekken in Nepal. Ein genaues Programm haben wir aber noch nicht. Mit der kleinen Hoffnung, vielleicht kurzfristig doch noch einen Trekking Peak besteigen zu können, haben wir schon mal Steigeisen etc. mit eingepackt.
Tatsächlich finden wir einen Veranstallter, der in 4 Tagen starten will. Nach langen Diskussionen sagen wir schliesslich zu, wollen aber morgen bereits nach Lukla fliegen um uns in der Zeit bis zum Start etwas zu akklimatisieren. Am Abend sind wir bereits am packen für die nächsten 14 Tage. Das ging aber schnell...
Um 9:00 sind wir am Flughafen...bis wir starten wird es aber 13:00! Leider hat es viele Wolken, wir sehen wenig von den Bergen. In Lukla deponieren wir einen Teil unserer Ausrüstung in einem Guesthouse und gehen dann gleich weiter. Bis wir in 3 Tagen zum Mera Peak starten, wollen wir uns so gut wie möglich anklimatisieren. Doch ich fühle mich nicht gut, eine Erkältung scheint im Anzug. Bis wir in Pharkding sind, dunkelt es schon langsam. Es scheint viele Leute unterwegs zu haben. Wir müssen auf jeden Fall bei 3 Guesthouses fragen, ehe wir Platz finden.
Ich bin richtig erschöpft und lege mich gleich hin. 39° Fieber habe ich am Abend! Ich muss die ganze Nacht erbrechen und kann kaum schlafen.
Ich werde heute hier einen Ruhetag machen. Weitergehen macht keinen Sinn. Maya geht es noch recht gut. Sie geht tagsüber etwas Talaufwärts und kommt am Abend wieder zurück. Mir geht es den ganzen Tag über nicht besser. Am Abend ist auch Maya sehr erschöpft und hat schliesslich auch 38,5° Fieber! Das darf doch nicht wahr sein. Wir sehen unseren Mera Peak schon 'davon schwimmen'. Das wäre ja bitter: gescheitert noch vor dem Start...
Ich konnte etwas besser Schlafen und habe kein Fieber mehr am Morgen. Appetit ist aber noch keiner da. Maya hat noch leicht Fieber, dafür Appetit. Um 1 Uhr gehen wir zurück nach Lukla - ganz langsam. Wir merken es beide, wir sind noch stark geschwächt. Die 3 Stunden setzen uns ganz schön zu. Ich kriege wieder leichtes Fieber. In Lukla treffen wir Rama. Er arbeitet in der Trekking Agentur, ist eigentlich ein 'Büro-Gummi' will aber mal mitkommen um zu sehen, was er da verkauft. Die beiden Sherpas Nima und Gurun sind auch schon da. Ausser uns sollen nun doch keine weiteren Gäste mehr mitkommen, diese haben kurzfristig abgesagt. Wir erzählen von unseren Gesundheits-Problemen. Wir könnte auch einen Tag später starten meinen alle. Alles super Voraussetzungen, nur bei uns ist im Moment der Wurm drinn.
Am Abend kommt eine Gruppe Aussis vom Mera Peak zurück und feiert den Erfolg ausgelassen. Ich habe wieder 38,8° Fieber und grosse Probleme mit meinem Magen. Wenigstens Maya geht es langsam besser.
38,3° - eine riesen Enttäuschung! Wir glauben, jetzt ist es gelaufen. Doch ich fühle mich gar nicht so schlecht. Beim Z'morge muss ich noch recht aufpassen, doch dann scheint auch der Magen sich zu erholen. Bis zum Mittag gehen wir den Markt in Lukla ansehen. Es geht uns besser und besser. Am Mittag ist die Entscheidung gefallen - los gehts!
Mit 1 Träger und 2 Trägerinnen, die auch kochen, ist unsere Gruppe nun komplett. 8 Leute inkl. uns, das ist ja Wahnsinn denken wir uns. Aber insbesondere für die Küche werden derart sperrige Töpfe, Schalen usw mitgeschleppt, dass die Träger für uns unvorstellbar grosse Lasten tragen, obwohl Maya und ich ausser dem Zelt unsere Sachen selber tragen. Rama macht mit seinen grossen Eier-Kartons in der einen und dem Pickel in der anderen Hand auch nicht gerade den Eindruck eines Alpinisten...
Der Weg führt durch neblig-feuchten Wald rauf und runter, ehe es schliesslich recht steil nach oben geht. Auf 3000m schlagen wir unser Lager auf einer kleinen Wiese im dichten Nebel auf.
Um 7 stehen wir auf und es gibt Frühstück. Die Sonne hat zwar unseren Platz noch nicht erreicht, aber es verspricht ein super Tag zu werden. Es geht gleich wieder steil durch den Wald hoch. Es ist ein interessanter Weg durch immer alpiner werdendes Gelände. Ab 3800m hat es leicht Schnee. Die letzten 600Hm zum Zatrwa La Pass hoch, geht es in einer steilen Flanke im Zick Zack rauf. Es hat ca. 1m Schnee, aber eine gute Spur. Ich staune ob den Trägern, dass sie mit ihren Turnschuhen nicht rutschen. Bis wir auf dem Pass sind (4500m), sind wir recht geschafft. Von Nima, unserem Sherpa ist allerdings keine Spur. Der ist einfach weitergespurtet, ohne uns und den anderen Trägern etwas zu essen da zu lassen. Wir sind etwas verärgert darüber, warten auf die Träger und geben ihnen etwas von unseren Reserven zu Essen. Hinter dem Pass geht es nur kurz runter, dann gleich wieder hoch. Langsam begreifen wir: der eigentliche Pass kommt erst noch. Das Wetter hat inzwischen umgeschlagen und es schneit. Maya friert schrecklich an ihre Finger. Dann endlich sind wir auf dem Pass. Jetzt geht es aber schnell runter. Auf 4200m treffen wir auf einige Häuser. Nima und der Rest der Mannschaft sind bereits am Teekochen. Wir sagen ihm aber auch, dass wir das nicht so toll fanden und er in Zukunft auf uns warten soll. Es ist schon dunkel, als wir das Zelt aufstellen
Es ist immer noch bewölkt. Wir packen zusammen und starten wieder bei leichtem Schneefall. Es geht auf und Ab über einige kleinere Pässchen. Dann sehen wir auf der anderen Seite runter ins Tal des Hinku Drangka. Nun geht es steil runter ins Tal. Erst durch dichte Büsche, dann durch völlig überwucherten Wald. Bei einem Bach machen wir Mittagsrast. Die ganze Küche wird ausgepackt und es gibt Tibetisches Brot, Suppe und Tee. Das ganze dauert ewig. Ich möchte schon lange weiter.
Weiter geht es durch den Wald. Der Weg wird immer schlechter. Da es recht feucht ist, ist der Boden sehr rutschig. Das ganze wird bald zu einer riesigen Schlamm-Schlacht. Wir sind froh, als wir endlich im Tal unten ankommen. Doch der Weg wird nicht einfacher. Es geht nun im Bachbett drinn rauf und runter, dann wieder in den Wald rein. Als wir beim Camp eintreffen, ist es schon nach 16:00. Es hat ein einzelnes Tee-Haus. Dort warten wir auf unsere Träger, die natürlich durch den glitschigen Wald viele Probleme hatten. Erst nach 18:00 können wir unser Zelt aufstellen und trockene Kleider anziehen.
Das gute Wetter ist zurück. Doch schon beim Frühstück habe ich keinen Appetit. Beim losgehen fühle ich mich schwach. Es geht alles dem grossen Flussbett entlang. Der Weg ist nun aber etwas besser als gestern. Nach einigen Stunden verlassen wir das Flussbett. Es geht jetzt auf Alpwiesen weiter. Das ist sehr angenehm zum gehen. Es ist eine tolle Gegend. Auf der Wiese hat es wunderschöne Blumen: Enziane und viele Edelweiss. Wir passieren einige Mani-Mauern und Gebäude-Ruinen. Wir schlagen unser Mittagslager auf. Wir liegen lange in der warmen Sonne im Gras und schauen zum Mera Peak hoch. Dann geht es weiter dem Tal entlang. An dessen Ende liegt ein kleines Dorf. Hier stellen wir unsere Zelte auf. Auf der anderen Talseite geht eine ca. 2000m hohe fast senkrechte Felswand zu einem Vorgipfel des Mera Peak hoch - sieht toll aus. Zum z'Nacht kochen Maya und ich selber.
Wow, genial die Gegend. Rundherum super Berge! Wir brechen auf ins Base camp. Mir geht es wieder recht gut. Maya hat auch keine Probleme. Es geht zunächst über einen Moränen-Rücken empor. Es hat wieder unedlich viele Edelweiss. Bald liegt neben dem Weg recht viel Schnee. Rechts öffnet sich ein spektakuläres Gletscherpanorama. Wir kommen auf eine Hochebene. Hier machen wir Pause. Es geht danach noch einem Bach entlang und noch recht steil über Moränen hoch. Das Base camp scheint schon recht stark belegt zu sein. Wir nehmen uns einen Platz recht weit unten. Das ganze ist nicht gerade ein sehr angenehmer Ort. Überall hat es Abfall.
Zum ersten Mal sehen wir den Gipfel selbst - genial. Wir beginnen unsere Sachen zu packen für Morgen. Nur das nötigste soll mit. Wir sind ready für den Gipfelsturm!
Ram geht es nicht gut, er kommt nicht mit. Mir ist es lieber so. Nima, Guru und der Träger begleiten uns. Zuerst geht ess einige steile Hänge hoch. Ich versuche langsam zu gehen, bin aber immer zu schnell. Es scheint, dass es mir, je höher wir kommen umso besser geht! Dann kommt ein steiler Aufschwung, wo es auf den Gletscher geht. Oben angelangt (5300m) machen wir erst mal Pause. Als ich aus meiner Flasche etwas trinke, fragt mich Nima, ob er auch etwas haben könne. Ob er denn nichts zu trinken dabei habe? Nein! Das kann ich einfach nicht glauben. Dabei ist trinken hier so wichtig. Nima scheint keine Ahnung von Bersteigen zu haben. Auch wo das Hochlager sein soll, weiss er nicht und würde am liebsten gleich hier campen. Doch wir haben zum Glück eine gute Karte dabei und wissen wo's lang geht. Wir passieren den Mera La. Danach steigt der Gletscher allmählich an. Die gute Spur führt zwischen einigen grossen Spalten hindurch. Nima und Guru's Zustand geben mir zu Denken. Nur mit grosser Mühe können sie uns folgen. Auf 5900m erreichen wir eine Art Felseninsel. Ich suche einen geeigneten Platz fürs Zelt. Ich will gleich mit Kochen beginnen. Obwohl ich im Base camp den Kocher nochmals ausprobiert habe, will er nun nicht brennen. Anstelle des Bezins, das ich sonst immer verwende, habe ich diesmal das hier überall übliche Kerosin dabei. Ich kann einfach keine gute Flamme erzeugen. Mist, das hat gerade noch gefehlt. So koche ich halt mit einer riesigen Stichflamme. Das ist natürlich extrem uneffizient. Ich kann Tee für unsere Feldflaschen und Nudelsuppe für alle machen, dann ist aber nichts mehr zu wollen. Die Aussicht vom High camp ist sensationell. Everest, Lhotse und Makalu scheinen zum greifen nah. Allerdings wird es schnell sehr kalt, als die Sonne verschwindet. Maya hat leichtes Kopfweh und Übelkeit in der Nacht. Wir schlafen schlecht.
Um 6:00 beginnen wir uns bereit zu machen. Maya geht es so gut, dass sie es probieren will. Ich fühle mich blendend. Das anziehen der Schuhe und Steigeisen dauert lange. Um 7:15 gehen wir los. Nima und Guru geht es schlecht, sie kommen nicht mit hoch. Wir sagen ihnen, dass sie absteigen sollen. Schon bald nach dem Start kommen uns Gruppen entgegen. Sind wir zu spät drann? Der Weg ist einfach, aber recht steil. Wir müssen oft anhalten um Luft zu kriegen. Maya geht es nicht sehr gut und auf 6100m meint sie, dass ich alleine weitergehen soll. Während einiger Zeit ist es noch recht steil doch dann wird es flacher und ich komme plötzlich sehr schnell voran. Die letzten 30m geht es noch einen steilen Hang hoch, auf den Gipfel. Dann bin ich oben. Was für eine Aussicht! Cho Oyo, Ama Dablam, Everest, Lhotse, Makalu unglaublich. Auf dem Weg nach unten kommt mir plötzlich eine einzelne Person entgegen. Es ist Maya! Langsam aber stetig ist sie doch immer weitergegangen. Keine Frage, wir gehen zusammen nochmals rauf. Um 11:00 stehen wir gemeinsam auf dem Gipfel! Wir freuen uns riesig. Im Abstieg sind wir dann sehr schnell. Das zusammenpacken des Zeltes im High camp ist sehr anstrengend. Der Weg runter ins Base camp ist aber noch lange. Als wir endlich unten ankommen, sind wir schon recht erschöpft. Unsere Trägerinnen machen uns Tee und Bratkartoffeln.
Wir schlafen nicht viel länger aus. Danach beginnen wir mit dem Abstieg. Um 11:00 sind wir bereits ins Tangnag. Wir trinken einen Tee und essen einige Biskuit. Bis zum Camp am Aben ist es noch recht weit. Wir haben wunderbares Wetter und geniessen die tolle Sicht auf die Berge.
Heute geht es wieder durch den dichten Wald zurück zum Pass. Doch diesmal ist es trockener und lange nicht so mühsam wie auf dem Hinweg. Beim selben Platz wie letztes Mal machen wir Mittagsrast. Es gibt Chapati und Käse. Da es kühl ist, gehen wir bald weiter. Dieser Abschnitt ist diesmal viel interessanter, da wir jetzt gutes Wetter haben. Beim Camp hat es diesmal keinen Schnee.
Auch heute ist tolles Wetter. Wir kommen gut voran. Im Abstieg vom Zatrwa La liegt immer noch viel Schnee. Viele Träger kommen uns entgegen. Der Abstieg durch den Wald nach Lukla ist noch lange. Glücklich und Müde treffen wir in Lukla ein. Wir können unseren Rückflug gleich für Morgen umbuchen und freuen uns schon auf eine Pizza in Kathmandu!
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