Am 'Paiko Tso shortcut' vor dem Shishanpangma

 

Keine Frage, Tibet ist meine Lieblingsdestination. Besonders die abglegenen Hochebenen West-Tibets sind in ihrer Art einfach einmalig auf diesem Planeten. Neben den klassischen Strecken gibt es hier unzählige Möglichkeiten Neues zu entdecken.

Im folgenden ein paar allgemeine Infos zu Tibet.

übersicht

Visum, Permit

Seit April 2008 ist es deutlich schwieriger geworden nach Tibet einzureisen. Seit diesem Zeitpunkt wurden vor allem die Checkpoints durch die Armee verstärkt. Dadurch ist es praktisch unmöglich geworden ohne Permit einzureisen, wie das vorher viele Jahre lang möglich war. Dies gilt für die gesamte TAR, ausserhalb dieser (Amdo, Kham) kann man meist ohne Probleme reisen.

Um durch Tibet reisen zu dürfen, braucht man auf jeden Fall ein gültiges China-Visum und offiziell ein sog. Alien Travel Permit.

Visum

Um durch Tibet reisen zu dürfen braucht es zuerst, wie im restlichen China, ein Visum. Am einfachsten Visum bereits Zuhause bei der chinesischen Botschaft beantragen. 3 Monate sollte man so eingentlich kriegen, ev. über Agentur machen.

Wer das Visum unterwegs organisieren muss, wird an den meisten Orten kaum mehr als 1-2 Monate kriegen. Einzige Ausnahme und mit Abstand der einfachste Ort um ein China-Visum zu erhalten: Hongkong. Abhängig von der jeweiligen Situation kriegt man hier problemlos 3-6 Monate innerhalb eines Tages. Dieses Visum beginnt aber gleich nach der Ausstellung zu Laufen! In Hongkong gibt es eine Vielzahl von Agenturen, welche das Visum organisieren können. Eine der billigeren:

 

FTB:

Adresse: RM 916-917,NEW MANDARIN PLAZA TOWER B,14 SCIENCE MUSEUM RD, TST EAST, KOWLOON HK.

 

 

Visumverlängerung

Während es im restlichen China relativ problemlos ist, sein Visum zu verlängern, ist das in Tibet etwas schwieriger. Prinzipiell kann man sein Visum hier nicht verlängern. In Lhasa kriegt man je nach Verhandlungsgeschick vielleicht max. 10 Tage, gerade genug um auszureisen. In Ali in West-Tibet kriegt man problemlos 30 Tage, allerdings gelten diese ab sofort, restliche Tage des bisherigen Visums verfallen also.

Alien Travel Permit ATP

Für die meisten Gebiete Tibets braucht man offiziell ein ATP um dort unterwegs sein zu dürfen. Normalerweise kriegt man ein solches Permit nur als Gruppe über eine Reiseagentur. Ausnahmen: In Ali in West-Tibet kriegt man ein ATP für die Gegend bis zum Kailash und Guge. Nachdem es jahrelang problemlos möglich war, in Shigatse ein ATP für Zentral-Tibet zu erhalten, ist dies nun nicht mehr möglich. Man kriegt das Permit hier nun nur noch, wenn man über eine Reiseagentur geht, allerdings ist es nun doppelt so teuer...

 

In der Praxis heisst das, dass man grösstenteils ohne Permit unterwegs ist. Auf offener Strecke ist das nirgendwo ein Problem. Einzig an den Checkpoints werden diese kontrolliert. Je nach Situation (diese ändert sich ständig) kann es nötig sein, den einen oder anderen Checkpoint bei Nacht zu passieren. Am Besten die aktuellen Informationen von anderen Radreisenden vor Ort checken.

Jahreszeit

April bis Juni und Septemper bis November sind generell die Besten Monate. Im Juli und August fällt am meisten Regen. Dies ist aber im Vergleich zum restlichen Asien sehr wenig. Durch die tiefen Schluchten Ost-Tibets würde ich in dieser Zeit aber auf keinen Fall fahren. Hier gibt es viele Erdrutsche.

Im Herbst ist es etwas kälter, dafür ist die Sicht in die Berge oft besser.

Karten

Gute Karten für Tibet zu finden ist recht schwierig. Im folgenden eine Auswahl der verfügbaren Karten.

Nelles

Recht schönes Kartenbild. Man kann sich die Topographie in etwa vorstellen. Diese Karte ist ausreichend, wenn man auf den Haupstrecken unterwegs ist und zusätzlich die Roadbooks dabei hat.

Gizi Maps

Änhlich wie die Nelles. Gutes Topographisches Bild aber ungenau in den Details. Genügend für die Hauptstrecken.

Reise Know How

Machart der Karte (wasserfest, 'unzerreissbar' und ohne Deckel) ist perfekt für Velofahrer. Lizenzausgabe der Gecko Map (siehe unten), allerdings Höhenschichten anstelle von Relief.

Chinese Province Map of Tibet Autonomous Region

Keine Topografie, alles auf chinesisch, Strassen recht genau. Im restlichen China sind diese Karten fast ein Muss um sich orientieren zu können (Schriftzeichen vergleichen, Leute fragen). In Tibet ist so eine Karte nicht nötig.

Gecko Map

Ganz klar die beste und aktuellste Karte, die ich bisher von Tibet gesehen habe! Leider hatte ich sie unterwegs noch nicht, ich habe also keine Praxiserfahrung damit. Sehr grosses Format (zum Velofahren etwas unpraktisch). Es werden konsequent tibetische Namen verwendet, nicht wie bei vielen anderen Karten chinesische.

Russische Topografische Karten

Für Fahrten abseits der grösseren Strassen sehr gut. Topografie gut lesbar, da bester Masstab (1:200'000 oder 1:500'000). Allerdings nicht aktuell (was aber abseits eh keine Rolle spielt). Nur auf Russisch angeschrieben.

Reiseführer

Einen Reiseführer braucht man wenn man als Velofahrer in Tibet unterwegs ist nicht. Wer aber interessiert ist an Hintergrund-Informationen dem kann ich das Tibet Handbook (engl.) vom Footprint Velag sehr empfehlen. Nicht unbedingt Informationen wie im LP (how to get there, where to stay) sondern viel über Religion, Klöster, Land und Geschichte.

Geld

Auf jeden Fall genügend Geld in den grösseren Städten wechseln, ehe man diese verlässt! Ausserhalb dieser ist Geldwechseln nicht möglich.

Traveller-Checks erzielen einen guten Kurs in China. In Shigatse und Lhasa gibt es ATM's.

 

 

Stromversorgung

Wer unterwegs die Akkus seiner Kamera aufladen muss, ist von Zeit zu Zeit auf eine Steckdose angewiesen. In den abgelegenen Gebieten verlangt dies etwas mehr Planung und ev. einen zweiten Akku.

Die meisten Orten haben mittlerweile Stromversorgung, wenn auch oft nur einige Stunden am Abend. Die Chinesischen Steckdosen sind sehr universell und passen für europäische und amerikanische Stecker.

 

Gesundheit

In Tibet ist man oft tagelang entfernt vom nächsten Arzt. Mit einer guten Reiseapotheke sollte man also auf jeden Fall ausgerüstet sein.

Ich bin kein Arzt, möchte im folgenden aber einige Punkte erwähnen, die in Tibet wegen seiner extremen Lage speziell sind.

Höhe

Der grösste Teil des tibetischen Plateau liegt auf Höhen zwischen 4000 und 5000m. Höhenkrank kann jeder werden, unabhängig seiner Fitness und vorherigen Erfahrungen! Die Beste Prävention gegen die Höhenkrankheit ist eine gute Akklimatisation. Dies geschieht natürlich am Besten wenn man aus eigener Kraft auf das Plateau hochfährt. Über 3500m wird empfohlen nicht mehr als 500 Höhenmeter pro Tag aufzusteigen (entscheidend ist, wo man die Nacht verbringt). Am Besten also sich also genügend Zeit lassen beim ersten Aufstieg auf grosse Höhen. Einmal auf dem Plateau gewöhnt sich der Körper recht schnell an die neuen Umstände und das Risiko der Höhenkrankheit ist dann deutlich kleiner. Wichtig ist auf diesen Höhen viel zu Trinken. Der Körper verliert viel Flüssigkeit, was man bei der extrem trockenen Luft gar nicht wahr nimmt.

Ich würde Diamox für den Fall der Fälle mitnehmen, bin aber dagegen diese als Prävetion zu verwenden (was oft getan wird).

Sonnenschutz

Unbedingt einen guten Sunblocker mitnehmen um sich gegen die extreme Sonneneinstrahlung zu schützen. Ich habe jeweils einen mit Schutzfaktor 50 dabei.

Giarda

Giardia ist eine Amöben Art die im Wasser vorkommt und im Himalaya weit verbreitet ist. Unbedingt Wasser filtern oder abkochen auch wenn der Bergbach noch so schön aussieht!

Giardia erkennt man an Durchfall, Bauchschmerzen und unangenehmen Rülpsern die nach faulen Eiern stinken. Die Symptome dauern ein paar Tage und kommen dann im Abstand von 1-2 Wochen wieder zurück. Das effizienteste Antibiotika gegen Giardia ist Tinidazol. Zuhause ist dieses Medikamnent nicht zugelassen, es ist aber z.B. in Zentralasien und Nepal überall erhältlich. In China ist es ebenfalls in den meisten Apotheken erhältlich. Am besten wohl das nebenstehenden Bild mit dem chinesischen Namen mitnehmen, da die Englische Bezeichnung dort nicht bekannt ist (Danke an Christoph Egger für das Bild).

Kälte

Meistens ist das Wetter in Tibet recht gut und die Temperaturen sind tagsüber recht angenehm. Bei schlechtem Wetter kann es aber sehr schnell empfindlich kalt werden. Unbedingt genügend warme Kleider vor allem für Füsse, Hände und Gesicht dabei haben.

Tollwut

Die 'Hundesituation' ist sehr unterschiedlich, je nachdem wo man ist. In West-Tibet hatte ich ganz wenige Hunde angetroffen. Selten waren sie ein Problem. In Ost-Tibet dagegen trifft man immer wieder auf Hirtenhunde die sehr aggressiv sind. Einige dieser Tiere haben auch Tollwut. Ob man sich dagegen impfen lassen will sei jedem selber überlassen.