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16-07-2002 Start in Antofagasta

Kirche in Chiu Chiu

Nach einer über 25 stündigen Reise mit diversen Flügen und noch mehr Warterei, bin ich Heute Abend in Antofagasta gelandet.

Von hier werde ich Morgen mit dem Velo starten. Die Absicht, die 25km vom Flugplatz zum Stadtzentrum mit dem Velo zu fahren, habe ich schnell wieder aufgegeben, als ich feststellte, dass beide Reifen einen Platten haben... Also ging es mit dem Taxi zum Hotel. Kurz nach der Abfahrt war ich darüber aber gar nicht so unglücklich, da es bereits dunkel wurde... Später habe ich dann aber festgestellt, dass wohl ein etwas 'Eifriger' vom Flughafen die Luft herausgelassen haben muss !

Antofagasta ist eine nicht gerade sehr schöne Industrie Stadt an der Küste. Es ist erstaunlich kühl hier (15 Grad) und auch hier hat es diesen leichten Küstennebel. Ich habe mich bereits mit kiloweise Proviant eingedeckt und werde vermutlich Morgen nach San Pedro de Atacama starten.

21-07-2002 Einmal rösten, gut durchschütteln und tiefkühlen !

mit so viel Schnee hatte ich nicht gerechnet...

So könnte man meine erste Woche gut umschreiben. Doch der Reihe nach:

Von Antofagasta gings direkt raus in die Atacama Wüste. Nach einigen Kilometern und Höhenmetern war der Küstennebel bald hinter mir und die Sonne konnte erbarmungslos auf mich runter brennen. Gegen Nachmittag zeigte mein Thermometer bereits 39 Grad, allerdings nicht im Schatten gemessen. Doch Schatten gibt es hier nicht! Die 250 km nach Calama waren eine einzige Fahrt durch eine riesige Einöde. Sand soweit das Auge reicht. Als dann am zweiten Tag auch schon starker Gegenwind einsetzte, war es wirklich eine Qual. Die erste Nacht verbrachte ich hinter einem grossen Sandhaufen, ausser Sichtweite der Strasse. Nicht viel anders sah es die zweite Nacht aus.

Bei Calama ist die grösste offene Kupfermine der Welt und die Rauchfahnen dieser Mine kann man schon von Weitem erkennen. In Calama bin ich aber nicht geblieben sondern gleich weiter in Richtung der Berge nach Chiu Chiu. Ein hübsches kleines Dorf. Ich wollte über el Tatio (höchstes Geysir-Feld auf 4500m) nach San Pedro fahren, um mich an die Höhe, und die Pisten zu gewöhnen. Hier war dann auch fertig mit dem Asphalt. Pisten passen sich normalerweise sehr gut der Umgebung an und da hier noch Wüste, also Sand ist, war Wellblech-Piste angesagt. Langsam aber stetig ging es in die Höhe und bereits die erste Nacht habe ich auf 4000m (bei Minus 10 Grad) verbracht. Eine grandiose Landschaft: golden leuchtendes Gras, schneebedeckte Vulkane im Hintergrund und sogar die ersten Vincunas.

Am nächsten Morgen fing die Schufterei aber erst richtig an. Es lag noch einiges an Schnee auf der Strasse. Und so räumt man Schnee in Südamerika: der erstbeste fährt einfach mit seinem Jeep quer durch die Pampa und macht eine neue Piste, dort wo es keinen Schnee hat ! Diese Piste war dann fuer mich natürlich viel zu steil und so schleppte ich das Rad die ersten 200 Hm bis auf 4450m. Oben dann die grosse Enttäuschung: Die andere Seite mit der Abfahrt nach San Pedero war zum Teil noch sehr stark Schneebedeckt. Das konnte ich nicht mehr riskieren und musste also Umkehren. Somit fuhr ich aslo die gesamte Rüttel-Strecke zurück nach Calama. Hier ist nun grosses Planen wieder angesagt. Aufgrund der Schneeverhältnisse ist die Fahrt von San Pedro über die Lagua Verde/Colorado nach Uyuni nicht möglich und ich muss mir eine Alternative ausdenken. Über Ollague bin ich schon vor einigen Jahren gefahren, deshalb kommt das auch nicht in Frage.

Die Stimmung ist also im Moment nicht gerade auf dem Höhepunkt, aber es kommt schon wieder besser !

31-07-2002 Vulkane, Vincunas & Salzseen

Salar de Surire

Nach meinem Rückzug von "el Tatio" wegen Schnees, bin ich von Calama mit dem Bus bis Iquique gefahren um dort neu zu starten.

Eine Stadtausfahrt ist nie besonders angenehm mit dem Velo: Weg suchen, viel Verkehr... Wenn das ganze aber noch mit 1000 Höhenmetern auf den ersten 15km gespickt ist, dann wird es zur Qual. So geschehen in Iquique. Es war wirklich sehr gefährlich. Nur eine kurze Strecke bin ich danach auf der Panamericana gefahren, als es wieder in die Berge ging. Von Huara aus führt die Strasse in einer einzigen Steigung aus der Wüste rauf aufs Altiplano. Unglaublich, innerhalb von 9 Tagen bin ich nun zweimal von Meereshöhe rauf auf 4400 gefahren !

Nachdem die hohen Pässe überwunden waren, ging es von Colchane aus Richtung Norden der chilenisch/bolivianischen Grenze entlang durch die National Parks: Vulkan Isulga, La Vincuña, Salar de Surire und Lauca. Dass zu den schoensten Orten immer die schlechtesten Strassen führen, hat sich einmal mehr gezeigt. Besonders die Strasse bis zum Salar de Surire hatte es in sich: viel weicher Sand, oft kaum fahrbar oder extremes Wellblech. Die Landschaft aber war grandios: zuerst um rauchende Vulkankegel herum und dann einem Salzsee entlang. Täglich habe ich viele Alpacas, Vincuñas, Vizcachas (eine Art Hase mit langem Schwanz) und Flamingos gesehen. Ein besonderer Genuss waren auch die heissen Quellen,die zu einfachen Pools gestaut waren, in welchen ich meine müden Radler-Beine erholen konnte.

Welche Wohltat fuer meinen Rücken, als ich nach 3 Tagen wieder die Asphalt-Hauptstrasse nach La Paz erreichte. Leider spielte hier das Wetter einige Kapriolen und ich habe den Grenzpass nach Bolivien (Tambo Quemado 4660m) in einem veritablen Schneesturm überquert.

31-07-2002 Strassenblockaden in Bolivien

Auf dem Markt in La Paz

Nur wenige Meter nach der Grenze, wurde ich von einer Strassenblockade aufgehalten: Die lokale Bevölkerung demonstrierte fuer Elektrizität in Ihren Dörfern... Während mehreren hundert Metern war die Strasse blockiert mit Steinmauern und brennenden Reifen. Ich durfte zum Glück passieren, musste aber sicher 30 mal erklären woher ich kommen, wohin es geht, wieso... Positiver Punkt der Sache war, dass ich danach während 200km die Strasse fuer mich absolut alleine gehabt habe! Bis La Paz waren ab der Grenze 350 relativ Ereignislose Km zu überwinden, ehe ich mich in das 'Riesige Loch gestopft voll mit Häusern' runter stürzen konnte. Die Fahrt von el Alto (am Rande des Altiplano 4000m) runter in die Stadt (3600m) ist mit keiner Achterbahnfahrt zu vergleichen, nur dass hier die Gefahr real ist...