03-10-2002 Canion de Pato - die Entenschlucht

Lago Parón

Ich kann mich nur schwer von der Cordillera Blanca verabschieden. Deshalb fahre ich noch einmal in die Berge hoch, zum Logo Paron. Die steile Piste führt durch eine enge Schlucht. Zu beiden Seiten ragen die senkrechten Felswände mehrere hundert Meter senkrecht in die Höhe. Beim Bergsee zelte ich. Noch ist allerdings nicht allzu viel zu sehen von den umliegenden Gipfeln - sie sind dauernd in den Wolken. Am nächsten Moergen aber ist der Himmel wolkenlos. Der Bergsee ist praktisch eingekesselt von einem ganzen Kranz von 6000ern: Piramide, Huandoy, Caraz... Bevor ich losfahre, sitze ich noch lange da und beobachte die Licht- und Schattenspiele an den Gräten und Gipfeln. Dann starte ich zur langen Abfahrt, welche mich schliesslich bis zur Küste runter bringt... Auf dem Weg dahin, fahre ich durch den Cañion de Pato. Hier, an der engsten Stellen des Rio Santa treffen die Cordillera Blanca und die Cordillera Negra fast aufeinander. Auf einer in den roten Felsen gesprengten Piste mit 36, z.T. langen und sehr dunklen Tunnels führt die Strecke durch die spektakuläre Schlucht. Danach wird das Tal immer trockener und öder, bis ich schliesslich die Küstenwüste vor Trujillo erreiche.

07-10-2002 Beachboys, Panamericana & Frühlingsbeginn

Auf dem Markt in Carhuaz

In Huanchaco geniesse ich fuer einen Tag den Stand (!) und beobachte die 'peruvianischen Beachboys' beim Wellenreiten. Hier an der Küste ist immer noch der Garua (Küstennebel), der sich nun aber jeweils gegen Mittag auflöst. Während 2 Tagen fahre ich auf der Panamericana Richtung Norden. Es ist schrecklich langweilig: Die eh schon monotone Wüste sieht im Nebel noch trister aus. Natürlich hat es auch sehr viel Verkehr, was das Velofahren nicht gerade erleichtert. So bald es geht, zweige ich wieder in die Berge, Richtung Cajamarca. Sofort ist die Strecke wieder abwechslungsreicher, die Leute freundlicher. Ich fahre durch ein interessantes Tal hoch: Auf dem Talboden wächst in terassierten Feldern Reis und an den Hängen ist es extrem trocken - ein toller Farbenkontrast. Es ist Frühlingsbeginn, Grund genug fuer die Peruaner, fuer ein paar Feiertage. Viele Leute sind unterwegs. In allen Dörfern ist man pausenlos am festen. Heute Abend bin ich in einem kleinen Dorf, doch gegen Abend strömen immer mehr Leute aus den umliegenden Tälern herbei. Es hat viele Ess-Stände, handbetriebene Karussells und Mini-Riesenrad, Schiessbuden usw. Den ganzen Abend spielen Kapellen auf. Der Höhepunkt aber ist das Feuerwerk. Dieses besteht aus einem kunstvoll gebauten 10m hohen Bambusturm, bestückt mit unzähligen Raketen. Um Mitternacht wird das Kunstwerk abgefackelt - ein Höllenspektakel!

13-10-2002 Ruinen im Nebelwald

Pre-Inca Ruinen von Kuelap

In Cajamarca verlasse ich wieder einmal die asphaltierten Strassen. Inzwischen habe ich ja geglaubt, dass mich kein Pass in Peru mehr erschrecken kann. Doch als die Strasse vor dem Abra Barro Negra (3700m) zum Rio Marañon auf nur noch 900m stürzt, haut das selbst mich fast aus dem Sattel... Auf der anderen Seite der Passes fahre ich durch dichten Nebelwald. Alles ist dicht überwuchert und ständig in Wolken gehüllt. Im Tal des Rio Utcubamba hat es zahlreiche pre-Inka Ruinen. Die grössten - Kuelap - besuche ich. Auf dem Gipfel eines Berges entstand hier von AD900 - 1100 eine einzigartige Stadt. Umgeben von einer gigantischen Mauer standen unzählige kegelförmige Häuser. Die Ruinen sind grösstenteils so belassen, wie sie gefunden wurden - überwuchert vom Nebelwald - was den Ort noch faszinierender macht.

19-10-2002 Gringo in the mist

Durch den Nebelwald nach Chachapoyas

Dem Rio Utcubamba folgend, verlasse ich Chachapoyas. Ich habe das Gefühl, plötzlich mitten in Südostasien zu sein: Überall Reisfelder und Palmen. Auch das Klima ist jetzt tropisch. Auf der Fahrt von Jaen Richtung Grenze fahre ich durch ein extrem heisses Tal. Das Thermometer an meinem Lenker droht bei 55°C gleich zu platzen. Ein freundlicher Pickup-Fahrer offeriert mir eine herrlich süsse und kuehle Ananas. Dieser Grenzübergang ist noch relativ neu und es hat noch keine Brücke über den Grenzfluss. Diesen überquere ich auf einem Floss aus Oelfässern. Auch sonst ist der Grenzübertritt sehr relaxed. Der Peruanische Beamte stempelt mir sogar das falsche Datum in den Pass. Nach fast 2 1/2 Monaten heisst es nun also Abschied nehmen von Peru, was mir nicht leicht fällt. Ecuador begrüsst mich gleich auf den ersten Metern mit einer furchtbar steilen Piste. Ich fahre nun durch Regenwald. Eine faszinierende Landschaft: steile, tiefe Täler, alles ist überwuchert vom dichten Grün, viele Wasserfälle und alles ist immer gespenstisch in Nebelwolken gehüllt. Allerdings nicht das ideale Klima zum Radfahren: egal ob es regnet oder nicht, ich fahre permanent in klitschnassen Kleidern, welche auch über Nacht nicht mehr trocknen. Auf einem hohen Pass erreiche ich die Kontinental-scheide. Innerhalb von wenigen Km verschwindet der Regenwald und ich finde mich wieder im warmen, trockenen Hippi-Dorf Vilcabamba. Dieser Ort hat eine zweifelhafte Berühmtheit erlangt, durch einen 'halluzinierend' wirkenden Kaktus-Saft erlangt, der hier gewonnen wird.

22-10-2002 Durch die südliche Sierra

Grenzübergang nach Ecuador

Die Pässe hier in Ecuador sind nicht mehr so hoch wie in Peru, dafür sind sie oft steil und es sind viele! Hier in der südlichen Sierra kann ich keine 40km fahren, ohne nicht schon 1000 Höhenmeter zu klettern. Ich fahre auf Höhen von 1800-3500m von Loja nach Cuenca. Es hat oft Weiden mit vielen Kühen. Auf über 2800m fahre ich oft durch Nadelwälder - schon fast wie zu Hause! Heute übernachte ich in Saraguro, ein kleines Dorf in den Bergen. Es ist Sonntag und hier ist Markttag. Von den umliegenden Dörfern kommen viele Leute hierher. Männer & Frauen tragen die langen Haare zu einem Zopf geflochten. Alle haben natürlich einen Hut, der jeweils von Region zu Region unterschiedlich ist. Besonders bemerkenswert sind die traditionellen schwarzen Shorts (!), welche die Männer hier tragen. Der Markt ist wie immer sehr bunt und lebhaft. Die Ecuadorianer scheinen mir etwas zurückhaltender, aber sehr freundlich zu sein! Ich werde nicht mehr so extrem angestarrt. Heute sind hier in Ecuador auch Präsidenten-Wahlen. Alles scheint ruhig und geordnet abzulaufen.

27-10-2002 Chimborazo

Cotopaxi

Auf der Fahrt von Cuenca nach Riobamba scheint mich der Regen definitiv eingeholt zu haben. Ich fahre praktisch von einem Gewitter ins nächste... Ich bin froh als ich Riobamba erreiche. Die Stadt liegt am Fusse des Vulkans Chimborazo (6310m). Natürlich möchte ich den gerne besteigen. Doch bereits bei der Fahrt mit dem Jeep zum Refugio geraten wir in einen heftigen Schneesturm. Am nächsten Morgen um halb zwei breche ich mit meinem Bergführer auf. Heute ist das Wetter recht gut und wir steigen unter einem herrlichen Sternenhimmel auf. Durch den 15-20cm tiefen Neuschnee stampfend steigen wir einem Grat folgend immer höher. Doch auf 5700m müssen wir umkehren. Wir können es nicht riskieren in den nächsten Hang zu gehen. Die Lawinengefahr ist zu gross. Der Neuschnee von Gestern war einfach zuviel. Schade, heute hätte das Wetter gepasst...

01-11-2002 Der 100'000ste Höhenmeter

Über zwei hohe Pässe (4300m) fahre ich von Riobamba ueber Guaranda nach Ambato. Doch das schlechte Wetter bleibt mir auf den Fersen. Am zweiten Tag fahre ich stundenlang durch den strömenden Regen auf über 4000m. Als ich endlich in Ambato ankomme, bin ich bis auf die Knochen durchnässt und durchgefroren. Ein kleines Highlight gibt es aber doch noch: Ich bin heute, am 116. Tag der Reise meinen 100'000sten Höhenmeter gefahren! Von Ambato fahre ich nach Baños. Es hat hier viele Restaurants entlang der Strasse, welche auf sich aufmerksam machen, indem sie eine riesige, gegrillte Sau an einem Pfahl aufgespiesst, direkt an der Strasse aufstellen. Nun, bei mir erziehlt das wohl nicht die geplante Wirkung... Baños ist bekannt fuer seine Thermal-Quellen. Genau der richtige Ort, um noch ein paar Tage zu relaxen vor dem Endspurt nach Quito.

04-11-2002 Cotopaxi

Auf dem Gipfel des Cotopaxi, 5897m

Nun ja, dass das mit dem relaxen nicht allzu lange gut gehen konnte, war ja abzusehen... Zusammen mit Eloy, dem Bergführer mit dem ich schon am Chimborazo war, machen wir uns auf zum Cotopaxi. Auf der Fahrt zum Berg regnet und schneit es bereits wieder... Wir campen unterhalb vom Refugio. Am nächsten Morgen begrüsst uns ein wolkenloser Sternenhimmel. Nur Mondlicht gibt es heute keines. In völliger Dunkelheit steigen wir kurz nach Mitternacht los, Richtung Gipfel. Das Spuren im 20cm tiefen Neuschnee ist recht anstrengend. Perfektes Timing: genau zum Sonnenaufgang um halb 6 stehen wir auf dem Gipfel auf 5897m. Die Aussicht ist nicht gerade berauschend, dafür war aber der Gletscher-Anstieg toll. Auf dem Weg nach unten stelle ich fast, dass der gestern gefallene Schnee bereits schwarz ist. Später erfahren wir, dass es in der Nähe einen Vulkanausbruch mit anschliessendem Ascheregen gegeben hat. In Quito soll sogar der Flughafen geschlossen sein.

12-11-2002 Quito - Ziel und Ende der Reise

Allmählich wird es Zeit, die letzten Kilometer zurückzulegen. Die Vulkane stehen Spalier auf beiden Seiten des Tales, auf dieser letzten Strecke. Allerdings sehe ich sie kaum, da sie meistens in den Wolken sind. Erst am allerletzten Tag herrscht endlich wieder einmal sehr schoenes Wetter. Je näher ich Quito komme, desto stärker wird der Verkehr. Ich bin gespannt, was mich in der Stadt erwartet. Die Bilder im Fernsehen nach dem Vulkanausbruch zeigten eine wahre Geisterstadt. Ich bin mir nicht sicher, was nun schlimmer ist: die Abgase des Verkehrs oder der feine Staub des Ascheregens. Ich finde mich zum Glück schnell zurecht und habe bald ein Hotel gefunden. Die ganze Stadt liegt unter einer cm-dicken Staubschicht. Überall wird geputzt und aufgeräumt. Staubmasken sind der grosse Verkaufsschlager - fast alle tragen eine. Doch bald erstrahlt die historische Altstadt mit den viele schoenen Plätzen, Kathedralen und engen Gassen wieder im alten Glanz. Nachdem der Flughafen eine Woche lang geschlossen war, wird er 2 Tage vor meinem Rückflug rechtzeitig wieder eröffnet. Morgen werde ich also nach Hause zurückfliegen und diese Reise geht zu Ende.