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Ich kann mich nur schwer von der Cordillera Blanca verabschieden. Desshalb fahre ich noch einmal in die Berge hoch, zum Logo Paron. Die steile Piste fuehrt durch eine enge Schlucht. Zu beiden Seiten ragen die senkrechten Felswaende mehrere hundert Meter senkrecht in die Hoehe. Beim Bergsee zelte ich. Noch ist allerdings nicht allzu viel zu sehen von den umliegenden Gipfeln - sie sind dauernd in den Wolken. Am naechsten Moergen aber ist der Himmel wolkenlos. Der Bergsee ist praktisch eingekesselt von einem ganzen Kranz von 6000ern: Piramide, Huandoy, Caraz... Bevor ich losfahre, sitze ich noch lange da und beobachte die Licht- und Schattenspiele an den Graeten und Gipfeln. Dann starte ich zur langen Abfahrt, welche mich schliesslich bis zur Kueste runter bringt... Auf dem Weg dahin, fahre ich durch den Cañion de Pato. Hier, an der engsten Stellen des Rio Santa treffen die Cordillera Blanca und die Cordillera Negra fast aufeinander. Auf einer in den roten Felsen gesprengten Piste mit 36, z.T. langen und sehr dunklen Tunnels fuehrt die Strecke durch die spektakulaere Schlucht. Danach wird das Tal immer trockener und oeder, bis ich schliesslich die Kuestenwueste vor Trujillo erreiche.

In Huanchaco geniesse ich fuer einen Tag den Stand (!) und beobachte die 'peruvianischen Beachboys' beim Wellenreiten. Hier an der Kueste ist immer noch der Garua (Kustennebel), der sich nun aber jeweils gegen Mittag aufloest. Waehrend 2 Tagen fahre ich auf der Panamericana Richtung Norden. Es ist schrecklich langweilig: Die eh schon monotone Wueste sieht im Nebel noch trister aus. Natuerlich hat es auch sehr viel Verkehr, was das Velofahren nicht gerade erleichtert. So bald es geht, zweige ich wieder in die Berge, Richtung Cajamarca. Sofort ist die Strecke wieder abwechslungsreicher, die Leute freundlicher. Ich fahre durch ein interessantes Tal hoch: Auf dem Talboden waechst in terassierten Feldern Reis und an den Haengen ist es extrem trocken - ein toller Farbenkontrast. Es ist Fruehlingsbeginn, Grund genug fuer die Peruaner, fuer ein paar Feiertage. Viele Leute sind unterwegs. In allen Doerfern ist man pausenlos am festen. Heute Abend bin ich in einem kleinen Dorf, doch gegen Abend stroemen immer mehr Leute aus den umliegenden Taelern herbei. Es hat viele Ess-Staende, handetriebene Karussells und Mini-Riesenrad, Schiessbuden usw. Den ganzen Abend spielen Kapellen auf. Der Hoehepunkt aber ist das Feuerwerk. Dieses besteht aus einem kunstvoll gebauten 10m hohen Bambusturm, bestueckt mit unzaehligen Racketen. Um Mitternacht wird das Kunstwerk abgefackelt - ein Hoellenspektakel!
In Cajamarca verlasse ich wieder einmal die asphaltierten Strassen. Inzwischen habe ich ja geglaubt, dass mich kein Pass in Peru mehr erschrecken kann. Doch als die Strasse vor dem Abra Barro Negra (3700m) zum Rio Marañon auf nur noch 900m stuerzt, haut das selbst mich fast aus dem Sattel... Auf der anderen Seite der Passes fahre ich durch dichten Nebelwald. Alles ist dicht uberwuchert und staendig in Wolken gehuellt. Im Tal des Rio Utcubamba hat es zahlreiche pre-Inka Ruinen. Die groessten - Kuelap - besuche ich. Auf dem Gipfel eines Berges entstand hier von AD900 - 1100 eine einzigartige Stadt. Umgeben von einer gigantischen Mauer standen unzaehlige kegelfoermige Haeuser. Die Ruinen sind grosstenteils so belassen, wie sie gefunden wurden - ueberwuchert vom Nebelwald - was den Ort noch faszinierender macht.

Dem Rio Utcubamba folgend, verlasse ich Chachapoyas. Ich habe das Gefuehl, ploetzlich mitten in Suedostasien zu sein: Ueberall Reisfelder und Palmen. Auch das Klima ist jetzt tropisch. Auf der Fahrt von Jaen Richtung Grenze fahre ich durch ein extrem heisses Tal. Das Thermometer an meinem Lenker droht bei 55°C gleich zu platzen. Ein freundlicher Pickup-Fahrer offeriert mir eine herrlich suesse und kuehle Ananas. Dieser Grenzuebergang ist noch relativ neu und es hat noch keine Bruecke ueber den Grenzfluss. Diesen ueberquere ich auf einem Floss aus Oelfassern. Auch sonst ist der Grenzuebertritt sehr relaxed. Der Peruanische Beamte stempelt mir sogar das falsche Datum in den Pass. Nach fast 2 1/2 Monaten heisst es nun also Abschied nehmen von Peru, was mir nicht leicht faellt. Ecuador begruesst mich gleich auf den ersten Metern mit einer furchtbar steilen Piste. Ich fahre nun durch Regenwald. Eine faszinierende Landschaft: steile, tiefe Taeler, alles ist ueberwuchert vom dichten Gruen, viele Wasserfaelle und alles ist immer gespenstisch in Nebelwolken gehuellt. Allerdings nicht das ideale Klima zum Radfahren: egal ob es regnet oder nicht, ich fahre permanent in klitschnassen Kleidern, welche auch ueber Nacht nicht mehr trocknen. Auf einem hohen Pass erreiche ich die Kontinental-scheide. Innerhalb von wenigen Km verschwindet der Regenwald und ich finde mich wieder im warmen, trockenen Hippi-Dorf Vilcabamba. Dieser Ort hat eine zweifelhafte Beruehmtheit erlangt, durch eien 'halluzinierend' wirkenden Kaktus-Saft erlangt, der hier gewonnen wird.

Die Paesse hier in Ecuador sind nicht mehr so hoch wie in Peru, dafuer sind sie oft steil und es sind viele! Hier in der suedlichen Sierra kann ich keine 40km fahren, ohne nicht schon 1000 Hoehenmeter zu klettern. Ich fahre auf Hoehen von 1800-3500m von Loja nach Cuenca. Es hat oft Weiden mit vielen Kuehen. Auf ueber 2800m fahre ich oft durch Nadelwaelder - schon fast wie zu Hause! Heute uebernachte ich in Saraguro, ein kleines Dorf in den Bergen. Es ist Sonntag und hier ist Markttag. Von den umliegenden Doerfern kommen viele Leute hierher. Maenner & Frauen tragen die langen Haare zu einem Zopf geflochten. Alle haben natuerlich einen Hut, der jeweils von Region zu Region unterschiedlich ist. Besonders bemerkenswert sind die traditionellen schwarzen Shorts (!), welche die Maenner hier tragen. Der Markt ist wie immer sehr bunt und lebhaft. Die Ecuadorianer scheinen mir etwas zurueckhaltender, aber sehr freundlich zu sein! Ich werde nicht mehr so extrem angestarrt. Heute sind hier in Ecuador auch Praesidenten-Wahlen. Alles scheint ruhig und geordnet abzulaufen.
Auf der Fahrt von Cuenca nach Riobamba scheint mich der Regen definitiv eingeholt zu haben. Ich fahre praktisch von einem Gewitter ins naechste... Ich bin froh als ich Riobamba erreiche. Die Stadt liegt am Fusse des Vulkans Chimborazo (6310m). Natuerlich moechte ich den gerne besteigen. Doch bereits bei der Fahrt mit dem Jeep zum Refugio geraten wir in einen heftigen Schneesturm. Am naechsten Morgen um halb zwei breche ich mit meinem Bergfuehrer auf. Heute ist das Wetter recht gut und wir steigen unter einem herrlichen Sternenhimmel auf. Durch den 15-20cm tiefen Neuschnee stampfend steigen wir einem Grat folgend immer hoeher. Doch auf 5700m muessen wir umkehren. Wir koennen es nicht riskieren in den naechsten Hang zu gehen. Die Lawinengefahr ist zu gross. Der Neuschnee von Gestern war einfach zuviel. Schade, heute haette das Wetter gepasst...
Ueber zwei hohe Paess (4300m) fahre ich von Riobamba ueber Guaranda nach Ambato. Doch das schlechte Wetter bleibt mir auf den Fersen. Am zweiten Tag fahre ich stundenlang durch den stroemenden Regen auf ueber 4000m. Als ich endlich in Ambato ankomme, bin ich bis auf die Knochen durchnaesst und durchgefroren. Ein kleines Highlight gibt es aber doch noch: Ich bin heute, am 116. Tag der Reise meinen 100'000sten Hoehenmeter gefahren! Von Ambato fahre ich nach Baños. Es hat hier viele Restaurants entlang der Strasse, welche auf sich aufmerksam machen, indem sie eine riesige, gegrillte Sau an einem Pfahl aufgespiesst, direkt an der Strasse aufstellen. Nun, bei mir erziehlt das wohl nicht die geplante Wirkung... Baños ist bekannt fuer seine Thermal-Quellen. Genau der richtige Ort, um noch ein paar Tage zu relaxen vor dem Endspurt nach Quito.
Nun ja, dass das mit dem relaxen nicht allzu lange gut gehen konnte, war ja abzusehen... Zusammen mit Eloy, dem Bergfuehrer mit dem ich schon am Chimborazo war, machen wir uns auf zum Cotopaxi. Auf der Fahrt zum Berg regnet und schneit es bereits wieder... Wir campen unterhalb vom Refugio. Am naechsten Morgen begruesst uns ein wolkenloser Sternenhimmel. Nur Mondlicht gibt es heute keines. In voelliger Dunkelheit steigen wir kurz nach Mitternacht los, Richtung Gipfel. Das Spuren im 20cm tiefen Neuschnee ist recht anstrengend. Perfektes Timing: genau zum Sonnenaufgang um halb 6 stehn wir auf dem Gipfel auf 5897m. Die Aussicht ist nicht gerade berauschend, dafuer war aber der Gletscher-Anstieg toll. Auf dem Weg nach unten stelle ich fast, dass der gestern gefallene Schnee bereits schwarz ist. Spaeter erfahren wir, dass es in der Naehe einen Vulkanausbruch mit anschliessendem Ascheregen gegeben hat. In Quito soll sogar der Flughafen geschlossen sein.

Allmaehlich wird es Zeit, die letzten Kilometer zurueckzulegen. Die Vulkane stehen Spalier auf beiden Seiten des Tales, auf dieser letzten Strecke. Allerdings sehe ich sie kaum, da sie meistens in den Wolken sind. Erst am allerletzten Tag herrscht endlich wieder einmal sehr schoenes Wetter. Je naeher ich Quito komme, desto staerker wird der Verkehr. Ich bin gespannt, was mich in der Stadt erwartet. Die Bilder im Fernsehen nach dem Vulkanausbruch zeigten eine wahre Geisterstadt. Ich bin mir nicht sicher, was nun schlimmer ist: die Abgase des Verkehrs oder der feine Staub des Ascheregens. Ich finde mich zum Glueck schnell zurecht und habe bald ein Hotel gefunden. Die ganze Stadt liegt unter einer cm-dicken Staubschicht. Ueberall wird geputzt und aufgeraeumt. Staubmasken sind der grosse Verkaufsschlager - fast alle tragen eine. Doch bald erstrahlt die historische Altstadt mit den viele schoenen Plaetzen, Kathedralen und engen Gassen wieder im alten Glanz. Nachdem der Flughafen eine Woche lang geschlossen war, wird er 2 Tage vor meinem Rueckflug rechtzeitig wieder eroeffnet. Morgen werde ich also nach Hause zurueckfliegen und diese Reise geht zu Ende.
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