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Ich fahre nun durch das zentrale Hochland von Peru. Die Berge sind hier nicht hoeher geworden, aber die Taeler viel tiefer! Es gibt hier praktisch keinen flachen Flecken, entweder es geht steil rauf oder steil runter.
So fahre ich fast taeglich ueber einen gut 4000m hohen Pass und am selben Tag zu einem 1800m tiefen Fluss runter! Das ist natuerlich genau meine Kragenweite und so starte ich voller Elan in diesen Abschnitt. Leider habe ich etwas Pech mit dem Wetter gehabt. Bereits den ersten hohen Pass ueberquere ich im heftigen Regen (den ersten auf dieser Tour). Durch den Regen ist die Fahrbahn sehr glitschig geworden und so passiert es, dass ich in einer der unzaehligen engen Kurven stuerze. Ausser dem Schock ist aber zum Glueck nichts passiert. Nach Abancay ist fertig mit dem Asphalt. In der Nacht hatte es schon heftig geregnet und so ist die Piste runter zum Fluss ein einziges Schlammbad, als ich runterfahre. Das Velo und ich sehen schrecklich aus, als wir unten ankommen. So gut es geht putze ich Kette und Ritzel, denn nun steht ein langer Anstieg bevor. Die Piste ist jetzt zum Glueck etwas steiniger geworden und OK zum Fahren. In scheinbar unendlich vielen Kehren schraubt sich die Strasse in die Hoehe. Bald tauche ich wieder in die Wolken ein und damit beginnt es auch wieder zu regnen. Im dichten Nebel fahre ich durch den gespenstischen Eukalyptuswald. 8 1/2 Stunden bin ich heute im Sattel gesessen und nur gerede 70km weiter... dafuer aber 2100m hoeher! Die Schlammschlacht geht am naechsten Tag weiter. Nach einer kurzen Abfahrt geht es zum zweiten, noch hoeheren Pass hoch. Fast im Schrittempo holpere ich danach von Pfuetze zu Pfuetze wieder tief runter ins Tal zur naechsten Stadt. Um nicht gleich verjagt zu werden, wasche ich erst einmal mich und das Velo an einem Fluss von der Stadteinfahrt...

Das Wetter bessert sich langsam und weiter geht die Fahrt durch diese gebirgige Gegend. Es ist enorm, durch wieviele verschiedene Zonen ich fahre: Auf den 4000m-Paessen ist Puna mit dem Ichu Gras. Bis fast auf diese Hoehe sind viele Kartoffelfelder, die von den Leuten an den steilsten Haengen bearbeitet werden. Etwa auf 3000m hat es oft dichten Wald. Das Tal ist hier sehr fruchtbar und es hat viele Weiler. Weiter unten sind es oft enge Canyons. Hier ist es sehr heiss und oft fahre ich durch einen wahren Wald aus Kakteen. An den tiefsten Orten wachsen Bananen und Papaya und in den Baeumen hat es Papageie.
Heute war wieder ein harter Tag. Ich bin durch alle oben beschriebenen Zonen gefahren und habe dabei ueber 2100 Hoehenmeter zurueckgelegt. Ich zelte auf einem 4000m Pass inmitten von Ichu-Gras. Die Aussicht ist grandios. In der untergehenden Abendsonne verfaerbt sich der Horizont in allen Farben. Es war wieder jeden Meter wert, jeden einzelnen! Am naechsten Tag bleibt die Strasse fuer 50km auf dieser Hoehe: eine Traumwelt! Ich ueberquere den Abra Huamira (4400m) und fahre dann runter nach Ayacucho, "die Stadt des Blutes". Hier wurde die letzte Schlacht gegen die Spanier ausgetragen, welche Peru die Unabhaengigkeit brachte.

Die Strecke von Ayacucho nach Huancavelica ist ein wahrer 'Highway'. Waehrend ueber 150km faellt die Strasse nie unter 4000m. Zuerst ueberquere ich den Abra Apacheta (4750m). Dank den vielen Erzen im Boden, leuchten die Felsen in allen moeglichen Farben. Auf der Fahrt nach Santa Ines fahre ich an der Laguna Chuclacocha vorbei. Ein grosser, tiefblauer See auf 4500m inmitten rot leuchtender Felsen. Danach geht es ueber den Abra Chonta (4850m). Doch damit noch nicht genug: auf dem Pass zweigt eine Strasse zu einem noch hoeheren Pass ab, dem Abra Huayraccasa, mit 5059m der hoechste befahrbare Pass Amerikas! Keine Frage, dass ich da rauf muss! Es scheint, als fahre ich genau auf einen Vulkan: rote und schwarze Asche, dazwischen hellgruenes Moos - unglaubliche Farben. Die Nacht darauf zelte ich auf einem Altiplano auf 4500m. Fast die ganze Nacht schneit es und bald ist alles mit einer 10cm dicken Schneedecke ueberzogen. Am naechsten Morgen fahre ich durch ein wahres Wintermaerchen. Ueberall grasen grosse Alpacaherden.

In den letzten Tagen hat es jeweils am fruehen Abend geregnet. Dadurch sind nun oft die Pisten noch sehr dreckig am Morgen. Noch einmal geht es ueber einige Paesse und ruppige Pisten, ehe ich kurz vor Huancayo seit langem wieder auf eine asphaltierte Strasse treffe. Das Velo sieht furchtbar aus, alles ist mit einer dicken Dreckschicht ueberzogen. Im Hotel kommt das Velo gleich mit unter die Dusche! Ich fahre jetzt zwar wieder auf einer guten Strasse, dafuer hat der Verkehr zugenommen. La Oroya ist eine typische Minenstadt. Niemand wuerde hier in das enge Tal eine Stadt bauen, waeren da nicht die Minen. Am Eingang begruesst mich ein schwarzes Ungeheuer - hier werden die Erze geschmolzen. Obwohl nicht an meiner Route liegend, kann ich es nicht lassen, einen Abstecher auf den Abra Anticona zu nachen. Eine tolle Landschaft: Rechts hat es knackige Berge aus Fels & Eis. Auf der linken Seite andauernd die farbigen Berge. Hier hat es eine Mine nach der andern, mit den entsprechenden Wellblech-Orten. Im Tal selber passiere ich einige schoene Bergseen. Oben auf dem Pass muesste ich nur die Bremsen loslassen und waere dann 130km und 4843m tiefer in Lima! Das lasse ich aber sein und fahre wieder Richtung La Oroya. Ich komme wieder auf ein Altiplano und fahre 100km lang durch die Puna-Landschaft wiederum vorbei an vielen Minen. Nach Cerro de Pasco stuerzt die Strasse dann 2400m runter nach Huanuco. Hier wachsen wieder Yucas, Ananas, Papayas und exotische Blumen.
Als ob eine 2000Hm Steigung auf 60km nicht Herausforderung genug waere... Genau an dem Tag, als ich wieder auf die Piste gehe, beginnt es zu regnen. Stundenlang fahre ich im stroemenden Regen den Pass hoch. Die Piste gleicht oft eher einem Wildbach. Dann aber bessert das Wetter. Ich fahre an vielen kleinen Orten vorbei, durch Taeler und Schluchten. Doch der Hoehepunkt folgt zum Schluss: Ueber den Punta Huarapasca (4800m) komme ich ich quasi durch die Hintertuere in die Cordillera Blanca. Ich zelte fast auf dem Pass auf 4700m, genau unterhalb eines Eis-gepanzerten Gipfels. Welch grandiose Rundsicht! Bei der Abfahrt, fahre ich durch einen ganzen Wald aus Puya Raimondii. Das ist eine gigantische Blume (!), welche 100 Jahre alt wird und deren Bluete bis zu 10m hoch werden kann! Dann erreiche ich Huaraz, das Zentrum der Cordillera Blanca inmitten der genialen Berggipfel.

Einfach hier bei der Cordillera Blaca vorbeifahren konnte ich nicht. Also habe ich einen Bergfuehrer engagiert und zusammen ziehen wir los Richtung Nevado Pisco. Am ersten Tag fahren wir mit Bussen zur Laguna Llunganuco. Von hier geht's zu Fuss los. Nach 3 Stunden Marsch stellen wir unser Zelt unterhalb der Moraene auf. Heute ist das Wetter noch nicht so toll. Dauernd verdecken Wolken die spektakulaeren Gipfel. Fuer einmal muss mein kleines Zelt Platz fuer 2 bieten. Doch die Nacht ist nicht lang. Um 3:00 brechen wir auf. Im perfekten Vollmond-Licht finden wir den Weg gut durch das Moraenen-Labyrinth und brauchen nicht mal unsere Stirnlampen. Auf 5000m erreichen wir den Gletscher. Wir seilen uns an und ziehen unsere Steigeisen an. Allmaehlich wird es hell. Was fuer ein Tag - es ist absolut wolkenlos! Der perfekte Gipfel-Tag. Die Morgensonne taucht die umliegenden Berge in die tollsten Farben. Es ist eine abwechslungsreiche, relativ einfache Gletscher-Tour. Kurz vor dem Gipfel muessen wir noch einige riesige Spalten umgehen. Bereits um 7:00 sind wir auf dem Gipfel des Nevado Pisco (5752m). Die Aussicht ist grandios: Huandoy, Huascaran, Chacaraju, Caraz und wie sie alle heissen sehen genial aus. Eigentlich hatte ich ja meinen Fuehrer fuer 3 Tage gebucht. Am zweiten Tag stehen wir aber schon um 11:00 wieder unten ander Strasse...
Auf einer Schleife fahre ich waehrend 5 Tagen rund um die Cordillera Balanca. Den ersten Pass ueberquere ich in einem 500m langen stockdunklen Tunnel. In Chavin besuche ich die Ruinen der Chavin Kultur (800 BC). Von aussen kann man nur noch erahnen, wie die Tempel ausgesehen haben moegen. Faszinierend sind aber vor allem die zugaenglichen Tunnels und Gewoelbe im Inneren der Strukturen. Ueber schlechte Strassen, fahre ich danach durch schoene Taeler und huebsche Doerfer. Auf dem Paso Huachococha werde ich wieder einmal eingeschneit ueber Nacht. Der grosse Bergsee, dem ich am Morgen danach entlangfahre, sieht in der verschneiten Landschaft noch toller aus. Zurueck zum Haupttal soll es ueber den Punta Olimpica gehen. Es soll das 'Finale Grande' der Cord. Blanca werden...

Am ersten Tag fahre ich bis auf 4100m. Mehr schlecht als recht stelle ich das Zelt am steilen Hang auf. Die Sicht Richtung Pass hoch, verschlaegt mir jetzt schon den Atem: Vor mir liegt die 2000m hohe Eiswand des Nev. Contrahierbas (6036m). In der Nacht donnert immer wieder Eis den Gletscher runter. Am naechsten Morgen ahne ich schon, was mir bevorsteht: es regnet als ich aufstehe! Ich packe meine 7 Sachen und starte. Ich bin genau in den Wolken drinn. Aus diesen kommt leichter Nieselregen. Selten sehe ich mehr als 100m. Schon Gestern war die Piste steil und schwierig. Das hat sich nicht geaendert. Nach 200m geht der Regen in Schneefall ueber. Ein Pickup kommt mir entgegen. Aus dem Fenster ruft der Fahrer: "nieve, hay mucho nieve al paso!" Oje, doch was soll ich machen, umkehren bringt nichts. In vielen, vielen Kehren schraubt sich die Strasse allmaehlich hoeher. Ab und zu lichteten sich die Wolken kurz. Ich sehe einen grossen tuerkisfarbenen Gletschersee. Auf den letzten 300Hm wird die Piste immer schlechter. Besonders in den Kehren ist es oft furchtbar steil und der Belag gleicht einem Steinbruch. In jeder Kehre braucht es einen unglaublichen Kraftakt, das 40Kg-Velo hochzuwuchten. Dann ringe ich jeweils lange um Atem, bis zur naechste Kehre... Dann sehe ich im Schneetreben oben die Passhoehe, eingeklemmt zwischen 2 steilen Felswaenden auf 4890m. Traenen rinnen ueber meine Backen: Erschoepfung und Freude gleichzeitig. Es hat ca. 15cm Schnee auf der Fahrbahn. Doch auf der anderen Seite klart das Wetter auf. Was fuer ein Pass! Es ist schlicht die einzige Stelle dieses Bergrueckens, wo es keinen Gletscher hat! Als ich in den vielen Kehren ins andere Tal runter fahre, kommt vor mir der Nev. Huascaran (4768m) in Sicht. In den letzten paar Stunden habe ich mich schon auch ein paar mal gefragt, was das soll/ wieso tue ich das. Der Anblick dieses Berges, der in seiner vollen majestaetischen Groesse vor mir in den Himmel ragt, beantwortet aber alle diese Fragen...
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