Der Velorahmen... das wichtigste Teil auf Veloreisen. Tourenfahrer haben oft eine spezielle Beziehung zu ihrem Velo, die oft auch nicht rational begründbar ist.
Ich persönlich bin der Meinung, dass ein gut verarbeiteter klassischer Stahlrahmen (Chrom Moly) langlebiger ist, als ein Alurahmen. Alurahmen sind insbesondere anfällig auf Schläge. Ein solcher 'Knick' im Rahmen kann oft nicht mehr repariert werden. Der Stahlrahmen ist hier viel weniger empfindlich, muss dafür besser gepflegt werden, da er sonst rostet.
Das immer wieder gehörte Kriterium, dass man einen Stahlrahmen auch beim Dorfschmied in 'Hinter-Inden' noch reparieren kann, zählt für mich nur bedingt. Heutige Stahlrahmen sind so stark konifiziert, dass der Schweisser mindestens so viel Erfahrung haben muss, wie mit einem Alurahmen. Zudem habe ich schon Radler getroffen, die in Südamerika einen Mechaniker gefunden hatten, der ihren Alurahmen fachgerecht wieder instand stellte!
Welcher Rahmen soll's den nun sein? Zur Wahl stellen sich vor allem ein MTB-Rahmen und ein spezieller Tourenvelo-Rahmen.
Die beiden Rahmen unterscheiden sich schon optisch recht stark. Was sind die Unterschiede?
- Anlötteile für Gepäckträger und (viele) Trinkflaschen. Ich schaffe es, bei meinem Rad, zwei 1-Liter Flaschen und eine 1½ Liter Pet-Flasche IM Rahmen und die Benzinflasche unterhalb des Rahmens zu befestigen.
- 26" Räder. Die Räder sind mit Abstand die empfindlichsten Teile am Rad. 26" Räder sind einfach stabiler. Mittlerweile gibt es Mountainbikes überall auf der Welt. Ersatzreifen und Schläuche zu finden sollte selten ein Problem sein.
- Relativ langer Radstand. Dies ist vor allem für die Fahrt mit schweren Taschen ein Vorteil. Das Velo fährt ruhiger und kommt bei schnellen Fahrten nicht ins Schlingern. Zudem hat man genügend Beinfreiheit, damit die Fersen nicht an den Hinterrad-Taschen touchieren.
- Eher aufrechte Sitzposition. Ist natürlich Geschmacksache. Aber bei Wochen- oder Monatelangen Fahrten eher angenehmer.
- Darauf achten, dass mindestens 1.9" Reifen montierbar sind!
- 26" Räder. Wie oben.
- Sehr stabiler Rahmen, da viel kleiner.
- Oft keine Anlötteile für Gepäckträger. Mit etwas Bastel-Geschick kann man sie dennoch meistens gut befestigen.
- Durch den kurzen Radstand ist es oft schwierig, die Taschen so zu montieren, dass die Fersen sie nicht touchieren. Auch das Fahrverhalten bei hohem Tempo und schweren Taschen ist oft schlechter.
- Meistens günstiger, da Massenprodukt.
Es gibt heute bereits einige Tourenräder mit Federgabel oder die sogar Vollgefedert sind. Auch Lowrider (Vorderrad-Gepäckträger) für Federgabeln gibt es bereits.
Zum Mountainbiken würde ich mein 'Fully' um keinen Preis mehr hergeben, doch Federung am Tourenvelo...?
Ich kenne bis heute keine Federgabel, geschweige denn eine Hinterradfederung, welche eine Monatelange Fahrt über Pisten mit 30Kg Gepäck mitmacht. Zudem kann ich eine Federung nicht selber reparieren. Für mich also ganz klar: NEIN, Federung hat am Tourenvelo nichts verloren! Zudem könnte ich mit 30Kg Gepäck auch mit einer Federgabel nicht schneller als im Schritttempo eine ruppige Anden-Piste runterfahren.
Immer wieder sehe ich Tourenräder mit Lichtanlagen. Wozu? Auf all meinen Touren bin ich so gut wie nie während der Duckelheit gefahren. Zudem ist die Lichtanlage meistens das erste was kaputt geht am Velo. Für eine Fahrt durch einen dunklen, unbeleuchteten Tunnel tut's die Stirnlampe auch.
Zusammen mit den Rädern sind die Gepäckträger die anfälligsten Teile am Tourenvelo. Wieviele Velofahrer habe ich schon getroffen mit abenteuerlich reparierten Gepäckträgern... Hier lohnt sich eine etwas teurere Investition schnell. Die stabilsten Modelle sind aus Stahlrohren geschweisst. Dabei sind sie noch nicht einmal allzu schwer. Ich fahre seit Jahren mit Gepäckträgern von Burce Gordon Wenn ich diese Teile sehe, komme ich ins schwärmen: sie sind für mich der Inbegriff der Perfektion!
Allerdings haben die Teile einen entscheidenden Nachteil: Sie sind sündhaft teuer! Auch von guter Qualität, allerdings deutlich günstiger sind die Modelle von Tubus.
Wohl kein Teil am Velo ist so persönlich, wie der Sattel. Hier muss jeder für sich selber das Beste finden...
Ein Ledersattel scheint auf den ersten Blick furchtbar hart im Vergleich zu modernen Gel-Sätteln. Hat man ihn aber einmal eigesessen, wird man ihn ein Leben lang lieben...
|