Im Aufstieg nach Darjeeling

 

Ich komme genau da zurück nach Indien, wo das Land nur noch 20km breit ist bevor es zu den Nordöstlichen Provinzen des Landes geht. Dahin will ich nun als nächstes fahren.

 

Die Fahrt nach Darjeeling ist wohl so etwas wie die Eintrittsprüfung nach Sikkim. Monumentale 2200 Höhenmeter in einer einzigen Steigung. Speziell ist auch, dass auf fast der ganzen Strecke die Strasse das Trasse mit der Eisenbahn teilt. Ein Blick auf deren Spurweite und dann ist auch klar warum der Zug der hier fährt so heisst: The Toy Train. Dadurch habe ich aber durchgehend eine konstante 4-5% Steigung was fürs Tourenvelo genau perfekt ist. 

Khangchendzonga, 8586m

Es ist eine tolle Fahrt auf einer kleinen Bergstrasse durch schönen Wald und es hat überhaupt keinen Verkehr. Moment, kein Verkehr in Indien? Das ist irgendwie verdächtig und irgendwann ahne ich dann dass hier etwas nicht stimmt. Tatsächlich klafft vor mir plötzlich ein grosses Loch, wo noch vor kurzen die Strasse war. Mit dem Velo kann ich mich aber grad noch so am Hang entlang durchschlagen. Etwas weiter oben dann hat ein riesiger Erdrutsch den ganzen Hang mitgenommen. Mit schweren Baumaschinen sind sie gerade daran wieder eine Strasse zu bauen. ‚Road closed because of landslide‘ ruft mir ein Minibus Fahrer entgegen. Ja wahrscheinlich, nach 1500m Aufstieg drehe ich hier jetzt sicher nicht um. Ich kann mich dann an den Baumaschinen vorbei mogeln und meine Sachen über die grossen Felsen tragen. Das nahm ich jetzt aber sogar gerne in Kauf für eine verkehrsfreie Strasse. 

Typische Strasse in Sikkim

Sikkim, das ist Indien in der Vertikalen. Hier ist es einfach absolut nirgends flach. Nie mal ein Talboden oder eine Hochebene, nur enge Täler und steile Berghänge. Die Menschen hier (eine interessante Mischung aus Inder, Nepali und Tibeter) haben sich der Landschaft angepasst. Dörfer kleben oft an den unmöglich steilen Hängen, jedes einzelne Feld muss terrassiert werden und enge Bergstrassen klettern in endlosen Spitzkehren über all die Bergrücken.

Auch ich muss mich anpassen. Mehr als 60km pro Tag komme ich kaum. Die Strassen sind oft ruppig und einige Steigungen hart an der Schmerzgrenze. Zum Velofahren ist es einfach grossartig. Was kümmert mich wie weit ich komme? Mehrere Male stelle ich erstaunt fest, das ich doch erst Vorgestern noch gleich da drüben auf der anderen Talseite durchgefahren bin.

Lingdum Gompa

Auf kurvigen Bergstrassen geht es durch meist dichten Bambus- und Laubwald. Meine Konzentration ist ständig gefordert. Auf einer Seite geht es immer unmittelbar neben der engen Fahrbahn fast senkrecht runter. Auf den höchsten Punkten hat es viele kleine Gompas (Klöster) welche ich oft besuche. Zwei Wochen fahre ich so in die verschiedenen Täler rein und raus, ehe ich wieder in die runter ins Flachland komme wo es inzwischen schon ganz schön heiss geworden ist.