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Ich habe Osh in Kirgistan erreicht nach einer fantastischen Fahrt über den Pamir Highways...
 - Die ersten grossen Berge
Bam-i-Duna, "Dach der Welt" wird der Pamir von den Einheimischen genannt. Von Khorog aus steigt die Strasse aber erst nur sehr langsam auf dieses Dach. Während der Fahrt durch das fruchtbare Tal tauchen in den Seitentälern immer wieder tolle Berge auf. Nach dem letzten Dorf finde ich einen tollen Zeltplatz direkt am Ufer des kristallklaren Bergbaches.
Am nächsten Tag will ich einen Abstecher zum Turuntai See machen. Doch die Piste ist dermassen schlecht und steil, dass ich nach einer Stunde schieben die Sinnlosigkeit einsehe und aufgebe.
 - Koy Tezek Pass
Mittlerweilen bin ich auf 4000m. Schon so oft bin nun schon auf diesen Höhen mit dem Velo unterwegs gewesen. Doch diesmal erwischt mich die Höhenkrankheit in voller Stärke und mit allen Symptomen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Kraftlosigkeit und Appetitlosigkeit. Auch wenn es mir nicht einfach fällt, muss ich noch einmal einige 100m runter fahren und stelle dort das Zelt auf, obwohl es erst Mittag ist. Den ganzen Tag liege ich wie eine tote Fliege im Zelt, zu Müde irgend etwas zu tun oder zu Essen. Wenn es Momente auf dieser Reise gibt, wo ich mich wirklich alleine fühle, so sind es diese, wenn es einam so richtig mies geht.
Am nächsten Morgen sind die Sympyome zum Glück verschwunden. Ich fühle mich wieder prächtig und mehme die letzten Steigungen zum 4272m hohen Koy Tezek Pass in Angriff.
 - Sonnenaufgang über dem Pamir
Das Überschreiten der 4000er Marke ist wie ein Eintritt in eine andere Welt - meine Welt! Nirgends ist die Luft so klar, sind die Farben so intensiv, ist die Natur so unberührt und ist die Ruhe so vollkomen.
Der Pamir hat 2 Gesichter. Im Westen, da wo ich bislang unterwegs war, sind das tiefe Täler mit Flüsse und grosse, spitze Gipfel. Im Osten ist es ein trockenes Hochplateau auf 4000m mit rollenden Hügeln - ähnlich wie Tibet. Der Pass den ich gerade überquere bildet genau die Grenze dieser 2 gegensätzlichen Gebiete.
 - Bulun Kul
Der nächste Abstecher von der Hauptroute bringt mich zum Türkis farbenen Yashil Kul (Grüner See). Kurz davor liegt ein kleines Dorf - Bulunkul. Wenn es ein Ende der Welt gibt, dann muss es hier sein, dieses Dorf ist so etwas von abgelegen.
Unterstützt von einer NGO gibt es im ganzen Pamir an vielen Orten in privaten Häusern und Yurten einfache Unterkünfte. Eine tolle Gelegenheit, einen Einblick in das Alltagsleben zu bekommen, welche den Leuten zudem einen kleinen Nebenverdienst sichert. Allerdings ist der Tourismus hier noch mehr als in der Kinderschuhen. Weniger als 200 Touristen besuchen den Pamir pro Jahr...
 - Koh-e Pamir 6320m
Nur gerade 2km bleibe ich nach diesem Abstecher auf der Hauptstrasse, als mich der 4344m hohe Kargush Pass bereit wieder weglockt. Und einem hohen Pass konnte ich ja noch nie widerstehen...
Ich zelte auf der Passhöhe, mache noch eine kurze Wanderung auf einen kleinen Hügel und geniesse von dort einen fantastischen Blick Richtung Whakan Tal.
 - Kirgisische Familie von ihrer Yurte
Wieder zurück, fahre ich nun über diese trockene Hochebene. Salzseen bilden einen willkommenen Kontrast in dieser wüstenartigen Gegend, welche kaum ständig bewohnt wird. Den Sommer über aber stellen Kirgisische Hirten ihre Yurten auf den wenigen grünen Flecken auf und lassen hier ihre Kühe, Yaks und Schafe grasen.
Sie hatten mich per email 'gewarnt', die Freude ist dann aber gross, als ich meine slowenischen Freunde, bei denen ich ganz zu Beginn der Reise in Ljubljana zu Gast war treffe. Sie sind während 4 Wochen mit dem Velo im Pamir unterwegs und wir verbringen einen ulterhaltsamen Abend zusammen und haben uns viel zu erzählen.
 - Am Rang Kul
Der nächste Abstecher bringt mich zum Rang Kul. Ein weiterer grosser Salzsee mit toller Sicht auf den 7500m hohen Muztagh Ata, der östlich von hier in China liegt.
Die Fahrt dahin werde ich aber so schnell nicht mehr vergessen. Unzählige Moskitos verfolgen mich und treiben mich fast in den Wahnsinn. Ich habe mich zwar mit Mückenschutzmittel eingerieben, doch die Biester stechen mich durch die Radhose. Am Abend zähle ich 50 Stiche alleine in meinem Hintern! Wenn es einen Ort gibt, wo ich keine Moskitos erwartet hätte, dann hier in dieser Wüstenartigen Gegend auf fast 4000m.
 - Blick auf den Pik Lenin vom Karakul See
Über den 4644m hohen Ak Baital Pass geht es zum Karakul See. Karakul? hatten wir das nicht schon mal? Tatsächlich, nur 100km östlich von hier am Kharakorum Highway gibt es auch einen Karakul, an dem ich vor 8 Jahren gezeltet habe
Mein Visa für Kirgistan beginnt erst in ein paar Tagen und so geniesse ich ein paar ruhige Tage rund um den See mit toller Sicht auf den Pik Lenin (7134m) und andere schöne Schneeberge bevor es weiter zur Grenze geht.
 - Perfektes Spiegelbild am Shor Kul
Kurz vor der Grenze wird der gegenwind wieder einmal sehr stark. Als ich kaum noch vorwärts komme, beschliesse ich das Zelt aufzustellen. Ich bin gerade mitten in einer wüstenartigen Mondlandschaft. Kaum steht das Zelt, wird der Wind immer stärker und schliesslich wird es ein gewaltiger Sandsturm, der über mein Zelt hinweg peitscht. Drinnen tönt es, asl ob es in strömen regnet. Doch der Sand fegt nicht nur über mein Zelt hinweg, sondern findet den Weg, gesiebt durch die Moskito-Netze auch ins Innere. Bald ist alles mit einer dicken Sandschicht belegt. So geht das mehrere Stunden lang weiter, ich habe bald das Gefühl bei lebendigem Leibe begraben zu werden. Als gegen Abend endlich Ruhe herrscht, schöpfe ich den Sand Becherweise aus dem Zelt.
Noch lange werde ich an dieses Ereigniss erinnert; der Sand ist selbst nach Tagen einfach überall...
 - Darf ich vorstellen: Mein Zeltnachbar!
Die Grenze nach Kirgistan überquere ich auf dem 4280m hohen Kizil Art Pass. Der Zoll soll aber erst 20km weiter unten sein und so übernachte ich schon mal in Kirgistan, obwohl mein Visum erst Morgen beginnt.
Nachdem ich letzthin etwas Pech mit meinen Zeltplätzen gehabt habe (Mückenplage, Sandsturm), soll es Heute besser werden. Und tatsächlich finde ich einen Platz der Königsklasse: Abseits der Strasse auf einer schönen Blumenwiese, umgeben von unzähligen Edelweiss, neben einem kleinen Bergbach, inmitten einer Murmeltier-Kolonie und mit grandioser Aussicht auf die Gletscherbedeckten 6000er auf der anderen Talseite. Na also, geht doch!
 - Pferde in Kirgistan
Bin ich schon einmal um die Erde rum? Der erste Anblick Kirgistans lässt mich tatsächlich glauben, dass ich irgendwo in den Alpen angekommen bin. Herrlich grüne Wiesen überall. Doch auf den Wiesen stehen keine Alphütten sondern Yurten. Also doch nicht die Alpen.
Es ist wunderbar idyllisch: all diese Grün, die vielen grossen Yak und Pferde Herden und die schneebedeckten Berge im Hintergrund. Das Beste aber ist der Blick zurück. Wie eine gigantische Wand steht da der Pamir, aus dem ich eben gekommen bin.
So wie die Landschaft an die Alpen erinnert, sind auch die Pässe ähnlich wie dort. Es geht nun nicht mehr über endlos langsame Steigungen in die Höhe, sondern kurz und steil, oft in engen Spitzkehren.
Zwei recht anstrengende Tage fahre ich ab der Grenze noch, bis ich in Osh eintreffe, die erste grosse Stadt seit langem. Ich stürme sofort in ein Chaikhana (Teehaus) und ordere gleich 3 Menüs auf einmal. In den letzten Wochen musste ich etwas schmal durch und das Essen war meistens sehr einfach. Nie schmecken frische Früchte so süss, wie wenn man darauf verzichten musste für eine Weile.
| Letzte Position: 25-01-2006: Hongkong/China, 22747km |
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