Priwjét!

An der Grenze zu Russland klappt alles problemlos und ich bin schnell durch. Als ich im ersten Ort aber ein Zimmer nehmen will scheint es Probleme zu geben. Es ist Samstag und offenbar ist die Migration schon geschlossen, also können sie mich nicht registrieren wenn ich nur einen Tag bleiben will. Warum es dann aber im nächsten Hotel funktioniert wird wohl ein Rätsel bleiben.

Ich sollte zwar innerhalb von 3 Tagen registriert sein, starte aber trotzdem zur Fahrt nach Barnaul auch wenn ich dort später ankommen werde. Aber hier warten will ich nicht. Ich werde bis zum Schluss nicht genau herausfinden wie das nun genau funktionieren sollte.

 

Die gut 300km von der Grenze bis nach Barnaul sind eine einzige grosse Landwirtschaftszone. Ein Feld grenzt an das nächste und alle paar hundert Meter hat es einen Hecke, das ideale Rückzugsgebiet für campierende Velofahrer.

Birkenwald bei Barnaul

Nach Barnaul taucht dann endlich erstmals wieder Wald auf. Es sind grosse weite Nadel- und Birkenwälder. Herrlich dieser Geruch, den hatte ich vermisst. Entlang der Strecke hat es oft Leute die frisch gepflückte Plize oder Erdbeeren verkaufen. Die sind vielleicht köstlich!

 

Nach meinem Wissenstand braucht man irgend eine Bewilligung wenn man durch die Republik Gorny Altay und dann von da über die Grenze in die Mongolei fahren will. Also gehe ich gewissenhaft zur Polizei im ersten Ort. Mein Russisch ist ja noch nicht wirklich ausreichen für eine solche Konversation. Trotzdem versuche ich den Jungs da irgedwie klar zu machen was ich will. Brauch ich dazu irgend ein 'dokumjenty'? Das Velo interessiert sie viel mehr, aber nein das sei schon ok. Ja mir müsst ihr das nicht zweimal sagen... bin schon weg!

Habe ich mich darauf gefreut endlich diese Strecke durchs Altay Gebirge zu fahren! Ich konnte es kaum erwarten. Die folgenden Tage übertreffen aber die kühnsten Erwartungen bei Weitem!

Grosse weite Flüsse, klare Bergbäche, kleine Dörfer mit Blöckhäusern, endlose Nadel- und Birkenwälder, meterhohe Blumenwiesen, schroffe Felswände, grosse Pferdeherden, gletscherbedeckte Gipfel am Horizont. Es ist einfach wilde, unberührte Natur - grossartig! Tagelang fahre ich über kleine Pässe, meist einem Fluss entlang, durch tiefe Wälder und Abends stelle ich das Zelt an den schönsten Lagerplätzen am Flussufer auf. Es ist wie in einem Bubentraum, fehlt nur dass ich die Angelrute dabei habe.

 

Dann werden die Täler weiter und öffnen sich zu Hochebenen. Es ist nun deutlich trockener. Die letzte Ebene vor dem Grenzübergang sieht aus wie auf dem Bolivianischen Altiplano: trocken und nur noch Büschelgras, einzelne Lagunen und grosse Berge am Horizont.

Vor diesem Grenzübergang zur Mongolei bin ich schon etwas nervös. Wird alles klappen? Was ist mit der Bewilligung? Am 4. Juli, genau am letzten Tag meines russischen Visums komme ich zur Grenze. Es ist verdächtig ruhig, gut vielleicht bin ich noch etwas früh. Dann kommt mir eine Frau entgegen hinter den verschlossenen Gittertoren. "Njet!" Was Njet? Mir fällt fast das Herz in die Hose.

Nach einiger Zeit habe ich dann herausgefunden dass genau heute irgendein Nationalfeiertag ist und desshalb die Grenze die nächsten 2 Tage geschlossen bleibt! Wo gibt es denn sowas. Ja und mein Visum? Ich solle in 2 Tagen wieder kommen, das sei schon OK. Na hoffentlich sehen die Leute die dann hier sein werden das auch so...

Vor der Grenze zur Mongolei wird es trocken

2 Tage später bin ich um halb 10 wieder an der Grenze. Vor mir hat es etwa 8 Fahrzeuge. Kann ja nicht so lange dauern denke ich. Nicht aber, wenn ca. 1 Fahrzeug pro halbe Stunde abgefertigt wird! Nach 4 Fahrzeugen ist Mittagspause für 2 Stunden.

Ich darf ja die nächsten 20km Niemandsland zwischen den zwei Zollabfertigungen nicht mit dem Velo fahren. Bei 2 Deutschen die auch gerade mit dem LandCruiser hier sind darf ich das Velo auf das Dach verladen. Abends um 5 (!) dürfen wir endlich zum Zoll vorfahren. Visum überzogen und zu spät registriert? Naja ich war ja hier vor 2 Tagen und ich hab halt gezeltet und desshalb zu spät registriert. Der Zollbeamte kann es nicht glauben und fragt laut lachend: gezeltet? Grinsend nehm ich den Pass entgegen: Da ßwidánja!