Von West und Zentral Tibet hatte ich eine recht genaue Vorstellung. Von Ost Tibet weiss ich, ausser dass die Täler tiefer sind und es dort viel Wald hat, recht wenig. Also bin ich recht gespannt, was da auf mich zukommt. Im Gegensatz zu West Tibet ist diese Route etwas heikler in Bezug auf die PSB (Ausländer Polizei). Bei einigen Orten heisst es nun etwas mehr aufpassen.

Ich komme in die Nähe von Bayi, einer grossen chinesischen Stadt. Hier soll die Polizei besonders wachsam sein. Ich zelte vor der Stadt und will dann Nachts durchfahren. Um halb 3 fahre ich los. Der helle Mond macht die Fahrt recht einfach. Doch nach wenigen Km verschwindet dieser bereits hinter einem Berg. Nun ist es dunkel wie in einer Kuh! Ich habe mehr Angst, ingendwo in ein Loch zu fahren, als entdeckt zu werden. Meine Stirnlampe ist ja gut zum Lesen aber sicher nicht um Nachts Velo zu fahren. Die Fahrt durch die Stadt geht gut, einziges Problem sind einige Rischkas, welche noch unterwegs sind (natürlich ohne Licht), mit denen ich mehrmals fast zusammenstosse. Was haben die auch Morgens um 4 noch zu tun... sie haben von mir vermutlich dasselbe gedacht! In 20km kommt gleich noch ein Ort wo es gilt, vorsichtig zu sein. Da will ich auch noch durch. Dazwischen soll noch eine Strassenkontrolle sein. Voraus ist die Strasse beleuchtet, das muss es sein. Ruhig fahre ich näher. Ich sehe 2 uniformierte Männer am lodernden Feuer sitzen, als ich lautlos hinten vorbeirolle. Vermutlich war es nicht die PSB, doch das will ich gar nicht wissen. Alles im Tiefschlaf ist im letzten Ort, also nichts wie weg. Gleich dahinter steigt die Strasse zu einem Pass. Ich fahre noch ein paar Kehren rauf, schlage mich dann in die Büsche, packe den Schlafsack aus und schlafe noch ein paar Stunden, bis es hell wird.

Am Morgen werde ich von grasenden Yaks und laut singenden Tibetern die vorbeigehen geweckt. Durch einen tollen Wald geht es rauf zum Pass. Für eine Höhendifferenz, wo ich in West Tibet zwei 5000er Pässe gekriegt hätte, gibt es hier blos einen 4500m hohen! Oben ist wieder einmal ein tolles Meer aus Gebetsfahnen. Als ich auf die andere Seite schaue, schnappe ich gleich für einige Momente nach Luft. Vor mir erhebt sich der 7756m hohe Namchak Barwa. Es ist der höchste Berg östlich des Himalaya. Er ist bekannt dafür, meistens in den Wolken versteckt zu sein. Doch jetzt ist die Sicht frei - und was für eine Sicht! Das ist schlicht genial. Es ist einer der schönsten Berge die ich je gesehen habe!

Der Gipfel des Namchak Barwa wurde erst 1992 erstbestiegen und war damals der höchste unbestiegene Gipfel. Der Bramaputra, welcher beim Kailash entsprang und quer durch Zentral Tibet geführt hatte fliesst nun rund um diesen Berg (unglaubliche 5380m tiefer unten!) und dreht dann Richtung Süden, nach Indien wo er in den Ganges fliesst.

Mehrmals kommen mir auf der Strasse kleine Gruppen von Pilgern entgegen. Sie tragen Leder-Schürzen sowie Hand- und Knie-Schütze aus Holz. Sie bewegen sich vorwärts, indem sie sich ausgestreckt auf den Boden legen und dort aufstehen wo die Hände hingereicht haben. So legen sie weite Distanzen zurück, meist von ihrem Heimatdorf nach Lhasa. Begleitet werden sie von einem Helfer, der auf einem Handkarren Decken & Esswaren für unterwegs mitführt. Wenn wir uns kreuzen schauen wir uns jeweils gegenseitig ungläubig an und denken wohl beide dasselbe: "Unglaublich, wie lange der wohl schon so unterwegs ist?"

Ich fahre runter ins Engadin. Nein, natürlich nicht, aber ich habe tatsächlich das Gefühl dort angekommen zu sein: weite Wälder an den Berghängen, grüne Wiesen im Tal und schneebedeckte Berge im Hintergrund. Auch die Häuser hier erinnern nun mehr an solche in den Alpen. Es wird viel Holz verwendet und die Giebeldächer sind mit Schiefersteinen bedeckt.

Ich bleibe aber nicht lange in diesem Tal. Die Strasse führt nun in eine enge Schlucht und es geht runter und runter und runter. Als ich wieder aus der Schlucht raus komme, bin ich auf unter 2000m inmitten eines subtropischen Urwaldes! Für einmal war sogar die Fortbewegung mit dem Velo zu schnell, so dramatisch hat sich die Landschaft verändert. Genügend Zeit, mich an die neue Umgebung zu gewöhnen habe ich in der folgernden langen Steigung, als es wieder auf gewohntere Höhen geht. Zum Glück fahre ich hier nicht in der Regenzeit durch. Die engen Schluchten sind häufig Schauplatz grosser Erdrutsche. An einer besonders heiklen Stelle haben die Autos angehalten und alles schaut den steilen Hang empor, wo sich ein grosser Rutsch gelöst hat. Ständig kommen grosse Steine auf die Strasse runter geschossen. Nach einer halben Stunde scheint sich die Lage beruhigt zu haben und ich fahre schnell auf die andere Seite. Kaum dort, löst sich oben die nächste Ladung und wo ich eben durchfuhr liegt nun ein kubikmeter grosser Felsbrocken. Ich schlucke zweimal leer...

Bomi ist die nächste grössere Stadt. Diesmal nehme ich es etwas relaxter und fahre am Tag durch, dafür ohne mich zu lange aufzuhalten. Einkaufen aber muss ich und so wird der Besuch in dem kleinen Laden fast zum Raubzug, sehr zur Freude des Besitzers. Mit vollen Taschen und ohne Probleme verlasse ich die Stadt.

Ich bin nun wieder über 2700m und fahre durch endlos scheinende Nadelwälder. Hinter jeder Kurve taucht wieder ein toller Berg auf. Ich könnte wochenlang durch diese Wälder fahren, so gut gefällt es mir und erst jetzt merke ich, wie sehr ich das vermisst habe. Zuhause muss es jetzt ganz ähnlich aussehen, ob es dort wohl schon geschneit hat?

Ich zelte am Ngan Tso, einem schönen Bergsee. Als ich am nächsten Morgen aufwache staune ich nicht schlecht: es hat über Nacht 15cm Neuschnee gegeben. Ob ich bei diesem Wetter über den bevorstehenden Pass komme? Ist die Strasse überhaupt schneefrei? Die Antwort auf die zweite Frage kriege ich gleich nach der ersten Kurve: Die Strasse ist schneebedeckt und noch fehlen 500 Höhenmeter bis zum Pass. Das Fahren geht aber erstaunlich gut und zu meinem Erstaunen hat es je höher ich komme, desto weniger Schnee. Auf der Passhöhe ist die Strasse dann sogar aper - verkehrte Welt. Der Pass ist aber auch das Ende der alpinen Vegetation. Das folgende Tal ist bereits wieder wüstenartig trocken.

Etwas aber bereitet mir schon Sorgen nach diesem Wintereinbruch: noch muss ich etwa 6 hohe Pässe fahren (einer über 5000m), ehe ich aus den Bergen raus bin...

Wenn Ihr mal auf einer Weltkarte schaut, dann seht Ihr östlich vom Himalaya deutlich einige tiefe Täler, die genau in Nord-Süd Richtung verlaufen. Genau hier bin ich nun. In diesen Tälern verlaufen grosse Flüsse Asiens: der Salween, Mekong und Yangtze. Die Strasse verläuft natürlich genau quer zu diesen tiefen Tälern und beschert mir so zum Abschied von Tibet noch einmal einige gewaltige Anstiege und Pässe.

In der Nacht vor dem ersten Pass hat es wieder kräftig geschneit. Doch tagsüber ist die Sonne bereits wieder da und da der gesamte Anstieg an einem Sonnenhang hoch führt, ist die Strasse bis fast zur Passhöhe schneefrei. Ein Pass wie aus dem Bilderbuch: wie eine Schlange windet sich die Strasse in über 50 Spitzkehren den steilen Hang empor zur Passhöhe, 2000m über dem Mekong! In der nordseitigen Abfahrt liegt dann aber vor allem in den schattigen Kurven Schnee und Eis und ich muss dort höllisch aufpassen beim Fahren.

Die Fahrt über den Deng La ist erstaunlicherweise völlig schneefrei. Es ist der 24. und letzte 5000er Pass auf dieser Reise. Zwischendurch muss ich wieder durch einige grössere Orte fahren, jeweils im schnell-einkaufen-und-dann-ab-durch-die-Mitte-Stil, ohne dass ich Probleme habe. Die PSB sitzt lieber in der warmen Stube. Wer fährt denn auch jetzt noch hier vorbei...

Wenn ich in den Orten anhalte um was einzukaufen, habe ich jedes mal sofort eine Menge Neugieriger um mich rum. Was die wohl denken? Vielleicht etwa das: Gerade eben ist ein Fremder auf einem Gefährt angekommen und im Laden verschwunden. Mal schauen, was es da zu sehen gibt. Sieht ja interessant aus, besonders der Lenker. Was das wohl für Geräte sind? (GPS, Tacho) Da drücke ich doch gleich einmal an den Tasten herum. Doch der eigenartige Fremde mit den dünnen Beinen ist schon wieder zurück und hat gar keine Freude, dass ich da herumspiele. Er packt die eingekauften Esswaren in die eh schon grossen Taschen. Was da wohl alles drin ist? Doch da sitzt er schon wieder auf seine fliegende Untertasse, winkt zum Abschied und rollt davon... Komischer Kauz - woher der wohl kommt und wohin er geht?

Die Landschaft ändert bei dem ständigen Auf und Ab ebenfalls in rasantem Tempo. Karge wüstenartige Schluchten, dichte Nadelwälder, weites Grasland und Alpenwiesen wechseln sich ständig ab. Im Kopf verabschiede ich mich langsam aber sicher von Tibet. Doch dieses setzt völlig unerwartet zum finale grande an. In der langen Steigung vom Mekong auf 2000m rauf zum Yak La auf 4360m wird mit jedem gewonnenen Höhenmeter die Sicht auf den gegenüberliegenden Karwa Karpo imposanter. Es ist nicht blos ein Gipfel, sondern ein ganzes Massiv aus 13 hohen Bergen, vielen über 6000m. Bei wunderbaren Temperaturen fahre ich durch einen traumhaften spätherbstlichen Wald während ich vis â vis immer wieder die Gipfel bestaune. Das Bergmassiv ist ein wichtiger Pilgerort und eine 14-tägige Kora soll darum herum führen. Im Jahr 2013, dem Jahr des Schafs , ist diese Kora besonders wichtig. Wer weiss, vielleicht bin ich ja dann wieder hier... vielleicht dann sogar in einem freien und selbstbestimmten Tibet!

Ich bleibe lange oben auf dem Pass und schaue zurück. Irgendwie will ich nicht weiter, möchte die Zeit einfach anhalten. Erst als mir kalt wird, realisiere ich, dass die Sonne untergegangen ist. Ich weiss, dass es Zeit ist weiter zu gehen und freue mich auch auf wärmere Temperaturen. Die 20-tägige Fahrt von Lhasa bis Zhongdian hat bei den tiefen Temperaturen Nachts und Morgens und den grossen Steigungen Tagsüber viel an Substanz gekostet.

China

Ich bin nun in der südchinesischen Provinz Yunnan. Nicht weniger als 28 ethnisch Minderheiten sollen hier leben, darunter die Dai, Bai, Naxi, Wa... Es ist nicht einfach die Übersicht zu behalten. Am selben Tag, als ich die letzten Yaks auf der Hochebene von Zhongdian sehe, treffe ich bereits auf die ersten Wasserbüffel unten am Yangtze. Überall sind Felder, es wird viel Gemüse und Reis angepflanzt. Ich fahre durch viele kleine, sehr schöne, ländliche Dörfer. Doch diese werden bald immer grösser und es wird immer schwieriger einen Platz zum zelten zu finden.

Auf der Fahrt von Dali nach Kunming hat es nun am Morgen oft feuchte Nebelwolken die tief über den Hügeln hängen. Doch bereits am Mitteg wird es so warm, dass ich endlich mal wieder im T-shirt fahren kann. Neben der Strasse wächst bereits Bambus und Bananen.

In Tibet war ja die Orientierung relativ einfach. Einmal auf der richtigen Strasse konnte ich dieser meist für lange Zeit einfach folgen. Hier nun aber wird es etwas schwieriger. Ich habe mich mit einer chinesischen Karte ausgerüstet. Zu Beginn stehe ich oft minutenlang vor den Schildern und versuche die Schriftzeichen zu vergleichen. Es dauert eine Weile bis das funktioniert, dafür ist danach die Freude umso grösser, jedes mal wenn ich etwas wieder erkenne. Doch bereits bei der ersten grösseren Stadt verfahre ich mich furchtbar und werde von den Leuten von einem Ende zum Anderen geschickt. Ich komme mir vor als ob ich noch nie in einer Stadt gewesen wäre...

Seit Lhasa habe ich ein neues Ziel. Ich möchte an Silvester in Hongkong sein. Das ist relativ eng und der Grund, warum ich seit einiger Zeit recht schnell unterwegs bin. Als ich die Planung gemacht habe, waren das etwa 1550km von Kunming. Doch die Distanzen der Karte, mit der ich geplant hatte waren offensichtlich massiv falsch und so werden daraus nun plötzlich 2200km! Mein Ziel gerät etwas ins Wanken, doch vorerst halte ich daran fest.

Von Kunming geht es nach Shiling. Hier hat es einen Steinwald, bis zu 30m hohe Kalksteinformationen. Wenn man vergessen kann, dass man dafür happig Eintritt zu bezahlen hat, ein schöner Ort.

Von einem Tag auf den anderen ändert das Wetter völlig. Die Sonne welche seit Monaten mein treuer Begleiter war, wird mir untreu. Nebelwolken ziehen auf und die Temperaturen fallen wieder nahe zur Nullgradgrenze. Entlang der Strecke hat es viele Kohleminen. Die ganze Gegend hat deren Farbe übernommen. Alles ist schwarz und dreckig. Wegen der Nässe und den vielen Baustellen, ist die Strasse ständig verschlammt. Das Velo und ich sehen bald genauso dreckig aus. So fahre ich tagelang bei dichtem Nebel, Nässe und furchtbarem Dreck durch den Westen von Guangxi, ohne je weiter als 100m zu sehen. Der Spassfaktor ist massiv gesunken. Wäre ich von Kunming Richtung Süden weiter gefahren, wäre ich jetzt schon fast in den Tropen! Das Einzige was ich von der Gegend mitbekomme ist, dass es extrem hügelig ist.

Noch 25km sollen es bis zur Stadt sein, wo ich heute hin will. Bei noch 3 Stunden Tageslicht kein Problem. Ausser 20km davon sind Steigung... 10km vor dem Ort dunkelt es langsam ein. Die Hoffnung auf ein warmes, trockenes Hotelzimmer treibt mich voran. 5km vor dem Ort ist es stockdunkel und eine weitere Steigung beginnt. Als ich 2km vor dem Ort die Strasse weiter oben am Hang wieder sehe, gebe ich auf. Über 2300 aufaddierte Höhenmeter stehen bereits auf dem Tacho. Nach fast 10 Stunden im Sattel bei Nässe und Kälte bin ich fix und fertig und stelle tatsächlich 2km vor der Stadt das Zelt auf! 2km vor dem trockenen Zimmer und der warmen Dusche... So etwas ist mir noch nie passiert.

Der Nebel lichtet sich etwas und ich kann die Gegend erkennen. Die Landschaft sieht aus wie ein grosser Eierkarton: überall runde Hügel und kein flacher Fleck. Kein Wunder ist die Strasse eine derartige Achterbahn.

Bald wird klar, dass ich es nicht schaffe bis Silvester nach Hongkong - nicht so schlimm. Ich nehme es dafür nun etwas ruhiger.

Guiyang ist mal wieder eine Millionen-Stadt. Eigentlich klappt es ja mit der Orientierung mittlerweile recht gut. Aber solche Grossstädte sind immer etwas spezielles. Diesmal suche ich etwa eine Stunde lang nach der richtigen Strasse, ehe ich herausfinde, dass ich noch gar nicht im richtigen Ort bin...

Leider bleibt das Wetter meist grau und kalt und so gleicht ein Tag oft dem Anderen, während ich von einer Kleinstadt zur nächsten fahre.

Immer wieder staune ich ob der grosser Stadt/Land Unterschiede. Ich fahre vorbei an vielen kleinen Dörfern. Alle Häuser sind komplett aus Holz gemacht und die Dächer gedeckt mit Ziegeln, die immer wieder überall entlang der Strasse gebrannt werden. Die Leute, ihre Kleider und Häuser erinnern mich an hilltribes in Thailand. Und dann nur ein paar Km weiter komme ich in eine moderne Grossstadt.

Beim Essen schaue ich hier zweimal, ehe ich bestelle: die lokale Spezialität in der Gegend in Hund! Ansonsten aber machen es mir die Restaurants hier oft sehr einfach. Viele haben ganz einfach alle Zutaten ausgestellt und ich kann einfach drauf zeigen, worauf man mir daraus was zurechtbrutzelt.

Die Landschaft um Guilin entlang der Li Flusses gehört zu den spektakulärsten Landschaften Chinas. Aus der ansonsten flachen Ebene erheben sich unzählige, teilweise mehrere hundert Meter hohe, Kalksteinhügel. Leider sehe ich davon nicht allzu viel. Es regnet 3 Tage lang ununterbrochen.

Heute Morgen ist es geschehen. Wie jeden Tag falte ich die Karte so, dass der nächste Abschnitt sichtbar ist. Als ich das heute gemacht habe, ist unten rechts erstmals Hongkong aufgetaucht. Doch ein Blick auf die Karte zeigt auch, dass mir da noch was bevorsteht. Wie in einem Verteidigungsring stehen da eine ganze Reihe von Millionenstädten rund um das Perlfluss-Delta. Ab durch die Mitte zum Schlussspurt!

Eigentlich klappt die Fahrt durch diese scheinbar einzige endlos lange Grossstadt recht gut. Aber 80km vor Hongkong, auf den Tag genau ein Jahr nach dem Start der Reise, kriege ich plötzlich fürchterliche Bauch-Schmerzen und kann nicht weiterfahren. Nach mehreren Tagen im Hotelzimmer finde ich am fünften Tag endlich einen Arzt, der mich richtig untersucht, anstatt blos Spritzen und Infusion gibt. Was ich ganz genau habe verstehe ich nicht, aber eine Operation sei nötig - sofort!

14 Tage später verlasse ich das Spital auf wackligen Beinen. Hinter mir liegt eine Magen-Darm Operation und auf meinem Bauch ein brandneuer 'XL-Reissverschluss'.

Ich hatte mich eigentlich schon entschieden, noch ein paar Monate weiter durch Südost-Asien zu fahren. Nun aber sieht das etwas anders aus und ich will von Hongkong aus nach Hause fliegen. Ich erreiche Hongkong also nicht mit dem Velo. Ein Tag hat gefehlt, unglaublich, ein einziger Tag nach fast 23'000km. Es ist nicht so schlimm. Im Moment bin ich glücklich, dass es mir wieder gut geht... und ich freue mich auf zu Hause!

Heute Nacht werde ich bereits fliegen und sollte Morgen (25.Jan) also schon wieder in der Schweiz sein!

Zum Abschluss möchte ich Danken. Euch den Lesern, dass ihr auch durchgehalten habt und für das viele Feedback. Es gab mir oft das Gefühl nicht alleine unterwegs zu sein. Vor allem aber all den unzähligen Menschen denen ich unterwegs begegnet bin. Jene die mich eingeladen haben, Essen geschenkt haben, mir geholfen haben, mich angefeuert haben und mich zum Lachen gebracht haben. Ohne sie wäre diese Reise nur halb so schön gewesen.

Wer in diesen Tagen ob all der News, durch die wir ständig bombardiert werden, den Glauben an das Gute im Menschen etwas verloren hat, dem kann ich nur sagen: Fahr mit dem Velo raus in die Welt. Es ist eine tolle Erfahrung zu sehen, dass die grosse Mehrheit der Menschen unglaublich freundlich, hilfsbereit und gastfreundlich ist - überall!

Kommentare

sme 29.12.2017 10:31
Hi, your ride is an inspiration! Agree with your end message.